Rotstift im Gesundheitswesen: Hautkrebs-Screening auf dem Prüfstand
Die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant einschneidende Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Nach Informationen aus dem Ministerium soll das flächendeckende Hautkrebsscreening für gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren gestrichen werden. Bislang hatten Patienten alle zwei Jahre Anspruch auf diese Früherkennungsuntersuchung, die von den Krankenkassen übernommen wurde. Künftig sollen sie die Kosten von rund 40 bis 80 Euro voraussichtlich selbst tragen.
Wissenschaftliche Grundlage angezweifelt
In einer Stellungnahme des Gesundheitsministeriums heißt es: „Deutschland ist das einzige Land mit einem nicht-risikobasierten Screening. Vorliegende Studien belegen keinen zuverlässigen Nutzen in der Senkung der Sterblichkeit bei Hautkrebs.“ Daher solle der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bis Ende 2027 prüfen, ob das Screening auf Risikogruppen beschränkt werden kann. Diese Ankündigung lässt befürchten, dass die Kassenleistung komplett entfällt.
Kritik aus Mecklenburg-Vorpommern
Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, übt scharfe Kritik: „Wer nicht testet, findet auch nichts. Und wer nichts findet, muss keine Kosten tragen – das scheint das neue Credo der Bundesregierung zu sein.“ Er betont, dass Hautkrebs eine der häufigsten Krebserkrankungen ist und Früherkennung die Heilungschancen massiv verbessert. „Jedes verspätet erkannte Melanom bedeutet ein hohes Risiko für Metastasen, belastende Therapien und im schlimmsten Fall den Tod. Das sind reale Menschenleben, keine abstrakten Statistikpositionen.“
Koplin verweist auf die Zahlen: Jährlich erkranken in Deutschland rund 25.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom), und über 200.000 am sogenannten weißen Hautkrebs. Er wirft der Ministerin „Sozialdarwinismus“ vor und fordert den Erhalt der Vorsorgeuntersuchung.
Hintergrund der Sparpläne
Die Sparmaßnahmen sind Teil eines Pakets, das eine Expertenkommission im Auftrag von Warkens Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) geschnürt hatte. Deutschland hat das teuerste Gesundheitswesen der Welt, aber nicht das beste – das zeigte bereits der jahrelange Streit um die Krankenhausreform. Mit dem Rotstift beim Hautkrebsscreening will die Ministerin nun weitere Kosten einsparen, was jedoch auf breite Ablehnung stößt.



