Die Sparmaßnahmen beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gehen so weit, dass selbst Insider überrascht sind: Drei Jahre lang will der Sender Neuproduktionen für den Dresdner „Tatort“ und den Magdeburger „Polizeiruf“ aussetzen. Der zum Sparen gezwungene MDR schafft die beliebten Krimis zwar nicht ab, bereits vorbereitete Folgen sollen noch ausgestrahlt werden. Doch dass der MDR jetzt bei einem der beliebtesten TV-Formate Deutschlands ansetzt, zeigt: Die Lage in der Rundfunkanstalt ist ernst.
Schwere Planungsfehler im MDR
Es gibt mehrere Gründe für diese Entwicklung, die alle auf ihre Weise bedenklich sind. Zum Teil sind es schwere Planungsfehler im MDR selbst. Der Sender bemüht sich derzeit, die Produktion des Mittagsmagazins für die ARD wieder loszuwerden, weil es zu teuer ist und die finanziellen Spielräume im Sender einschränkt. Dies hätte man vorher wissen können – der MDR übernahm die Produktion erst im Jahr 2024 und investierte Millionen in das Fernsehmagazin. Dass es nun wieder abgestoßen wird, ist das Eingestehen eines großen Fehlers.
Politischer Druck auf ARD und ZDF
Hinzu kommt ein ungesunder Druck, der von der Politik und den Länderparlamenten auf den MDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt ausgeübt wird. Pauschalkritik an ARD und ZDF ist zum Volkssport geworden. In diesem Klima wird selbst die leiseste Diskussion über eine mögliche Anhebung des Rundfunkbeitrags zunehmend unmöglich – völlig unabhängig davon, ob es vielleicht auch sachliche Gründe dafür gibt. Jährliche Inflationsraten oder andere Faktoren sind längst keine Argumente mehr.
Wenn eine offene, sachliche Diskussion über die Senderfinanzierung nicht mehr möglich ist, schadet das dem System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf Dauer. Natürlich sind Teile von ARD und ZDF unnötig üppig ausgestattet, und es gab in der Vergangenheit teils krasse Fehlentwicklungen. Der MDR zeigt nun aber, dass er Ernst macht beim Sparen. Die Politik muss ihren Teil dazu beitragen, dass der Rundfunk nicht kaputtgespart wird.



