Drohende Medikamenten-Engpässe: Besonders gefährdete Patienten im Fokus
Noch sind die Regale in den Apotheken gut gefüllt, doch die Warnungen vor Engpässen bei Arzneimitteln werden lauter. Deutschland ist bei der Versorgung mit Medikamenten stark von Asien abhängig, und der Krieg im Iran könnte zu erheblichen Lieferschwierigkeiten führen. Diese Entwicklung birgt spezifische Risiken für bestimmte Patientengruppen.
Abhängigkeit von globalen Lieferketten
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt eindringlich: „Ein Risiko besteht, und es ist kein kleines“. Europa und Deutschland importieren viele Medikamente oder deren Rohstoffe aus Indien und China. Aufgrund der unklaren Lage auf den üblichen Handelsrouten müssen Schiffe nun Umwege über das Kap der Guten Hoffnung nehmen. Dies verlängert die Transportzeit um zehn bis 14 Tage und treibt die Kosten in die Höhe.
Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des BPI, erklärt: „Jede politische Krise entlang der Handelsroute zwischen Asien und Europa ist ein Risikofaktor. Die aktuelle Eskalation erhöht das generelle Sicherheitsrisiko dramatisch.“ Die Abhängigkeit von globalen Lieferketten macht die Arzneimittelversorgung anfällig für Störungen.
Noch keine spürbaren Folgen, aber große Befürchtungen
Bisher sind die Medikamenten-Lager in den Apotheken noch gut gefüllt, und Lieferengpässe sind nicht bemerkbar. Dr. André Said, Leiter der Geschäftsstelle der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), betont, dass die konkreten Auswirkungen des aktuellen Konflikts auf die Arzneimittelversorgung in Deutschland derzeit noch nicht belastbar quantifiziert werden können. Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass es bereits zu Versorgungsengpässen gekommen ist oder vermehrt auf alternative Wirkstoffe zurückgegriffen werden musste.
Aber auch er sieht die Befürchtungen des BPI: „Grundsätzlich kann ein erhöhtes Risiko für Lieferengpässe bestehen, da die Arzneimittelversorgung stark von globalen Lieferketten abhängig ist.“ Die Situation bleibt angespannt und erfordert erhöhte Aufmerksamkeit.
Besonders gefährdete Patientengruppen
Sollte es zu Engpässen kommen, kann dies schnell gefährlich für die Gesundheit von Patienten werden, die auf bestimmte Medikamente angewiesen sind. Dr. Said weist auf die kritischen Bereiche hin: „Grundsätzlich gelten Engpässe bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln – etwa Antibiotika oder Onkologika – mit keinen oder nur begrenzten therapeutischen Alternativen als besonders kritisch für die Patientensicherheit, insbesondere wenn deren Produktion auf wenige Hersteller, häufig in Asien, konzentriert ist.“
Folgende Patientengruppen sind besonders betroffen:
- Patienten mit Infektionskrankheiten, die auf Antibiotika angewiesen sind.
- Krebspatienten, die Onkologika benötigen.
- Personen mit chronischen Erkrankungen, für die es keine alternativen Therapien gibt.
Die Konzentration der Produktion auf wenige Hersteller in Asien verschärft das Risiko. Eine Unterbrechung der Lieferketten könnte lebenswichtige Medikamente knapp werden lassen und die Patientensicherheit gefährden. Es ist daher entscheidend, die Situation genau zu beobachten und Vorsorgemaßnahmen zu treffen.



