Glücksfall für Kieferorthopäde: Nachfolger für Praxis in Malchin gefunden
Nachfolger für Kieferorthopädie-Praxis in Malchin gefunden

Wenn Dr. Lutz Knüpfer in die Zukunft schaut, dann hat er nur einen Plan: seinen Blick zu weiten und zu sehen, was das Leben ihm bietet, sagt er. Bisher hatte der Kieferorthopäde und Implantologe nur für seinen Beruf gelebt. Doch mit 66 Jahren kann der Malchiner jetzt mit gutem Gewissen in den Ruhestand gehen. Der Mediziner hat für seine Praxis im Haus der Zahngesundheit einen Nachfolger gefunden. An Dr. Issam Bayerly hat er seinen Arbeitsplatz übergeben. Der gebürtige Syrer lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Bis Ende März arbeitete er in einer Kieferorthopädie-Praxis in Neubrandenburg.

Annoncen geschaltet und mit Film geworben

Seinen Ausstieg hat Lutz Knüpfer lange geplant, Annoncen geschaltet, sogar in einem Film über die sozialen Netzwerke für seine Praxis geworben. Doch dann half der Zufall, dass sich beide Männer trafen. Bei einer Zusammenkunft mit Berufskollegen in der Vier-Tore-Stadt habe er den jungen Mann einfach angesprochen und gefragt, welche Pläne er für die Zukunft hat, ob er sich eine eigene Praxis vorstellen kann. „Ich hatte großen Respekt vor der Bürokratie“, gibt Issam Bayerly zu. „Dann habe ich mich doch entschieden.“ Die Praxis sei sehr schön, das Team gut ausgebildet, er habe sich gleich wohlgefühlt, sagt der 39-Jährige.

Vertrag unterschrieben und Hospitation

Bereits am 31. Juli 2025 haben beide den Vertrag unterschrieben. Danach hat Bayerly zunächst hospitiert, Patienten und Mitarbeiter kennengelernt. Es sei inzwischen wie eine große Familie für ihn, erklärt er. Lutz Knüpfer weiß indes bei ihm sein Lebenswerk in guten Händen. Seit 1984 ist der heute 66-Jährige in Malchin. Nach dem Studium in Berlin kam der gebürtige Torgelower per „Studienlenkung“ nach Malchin. „Nach einem Jahr wollte ich eigentlich die Stadt wieder verlassen“, erinnert er sich. Doch schnell habe er Freundschaften gefunden, und auch kulturell sei viel los gewesen.

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Nach der Wende Praxis-Gemeinschaft gegründet

In der Wendezeit engagierte sich Knüpfer im „Neuen Forum“ politisch, gründete dann aber 1991 eine Praxis-Gemeinschaft, ein freiwilliger Zusammenschluss von vier Praxen, die gemeinsam Röntgen, EDV-Anlage, Netzwerk, Personal und Räume nutzen. Es gibt einen Empfang für alle. Zunächst befanden sich ihre Praxen in der alten zahnärztlichen Poliklinik, die sie umgebaut hatten. 2007 wurde das neue „Haus der Zahngesundheit“ gebaut. „Mit Zahntechnik arbeiten heute 60 Menschen hier“, sagt Lutz Knüpfer.

Mit dem neuen Haus habe er sich neben der Kieferorthopädie zum Kieferchirurgen weitergebildet, nebenbei auch seinen Master gemacht und BWL studiert. Über 20 Jahre engagierte er sich in der Kassenzahnärztlichen Vereinigung. Viel sei er mit jungen Menschen umgeben gewesen, die Energie haben. Das habe ihn jung gehalten, meint er. Im Ruhestand will er seine Freundschaften wieder mehr pflegen und sich der Imkerei widmen. Seit drei Jahren hat er Bienen. „Dann habe ich eine große Familie, bin Vater von vier Kindern und habe fünf Enkelkinder“, verrät er.

2016 nach Deutschland gekommen

Sein Nachfolger Issam Bayerly studierte indes in Syrien Zahnmedizin, schloss 2009 seinen Master an und machte die Facharzt-Ausbildung zum Kieferorthopäden, die er 2015 abschloss. Ein Jahr später kam er nach Deutschland, war vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen. Der 39-Jährige kommt aus einer Akademikerfamilie. Sein Vater sei Universitätsprofessor für Seismologie und Geologie, seine Schwester Augenärztin und sein Bruder Arzt in New York.

Issam Bayerly ist ledig, wohnt in Neubrandenburg zusammen mit seiner Schwester. Anfangs werde er nach Malchin pendeln, sagt er. Aber er könne sich vorstellen, später in die Kleinstadt zu ziehen.

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