Neubrandenburg startet Aktionswoche für Stille Stunden im Handel
Neubrandenburg: Aktionswoche für Stille Stunden im Handel

Den Einkaufswagen durch den Supermarkt zu schieben, kann sich anfühlen wie ein Besuch auf der Kirmes: grelles Licht, animierende Musik, ständige Durchsagen. Besonders für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist diese Reizüberflutung belastend. Immer mehr Märkte bieten daher sogenannte Stille Stunden an, in denen die Reize reduziert werden. Die Stadt Neubrandenburg möchte diese Einzelinitiativen nun bündeln und ruft zu einer Aktionswoche auf.

Umfrage zeigt großes Interesse

Bei einer Befragung für das Einzelhandelskonzept der Vier-Tore-Stadt sprachen sich rund 44 Prozent der Teilnehmer für das Format „Stille Stunde“ aus, berichtet Ramona Batke, städtische Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung. Auch von Unternehmen gibt es positive Resonanz, zumal die Umsetzung oft mit einfachen Mitteln möglich ist.

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der Märkte mit Stillen Stunden noch überschaubar. Dazu gehören der Rostocker Warnow-Park, ein Rewe-Markt in Greifswald und das Café Tisch in Schwerin. In Neubrandenburg selbst engagieren sich bereits mindestens drei Betreiber: der inklusive Cap-Markt, der Rewe-Markt im Oststadtzentrum und der Globus-Markt im Bethanien-Center. Im Cap-Markt werden dienstags von 18 bis 19 Uhr Werbebildschirme, laute Musik und sogar das Piepen der Kassen abgeschaltet, auch das Auffüllen der Regale pausiert.

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Mehrwert für viele Kundengruppen

Menschen mit Autismus, Epilepsie, Migräne, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen sowie Long-Covid-Betroffene und Sehbehinderte profitieren besonders von der Reizreduzierung. Doch auch Kunden ohne gesundheitliche Einschränkungen, etwa Familien mit Kindern oder Senioren, schätzen das ruhigere Einkaufserlebnis. „Barrierefreiheit ist ein Mehrwert für alle“, betont Batke. „Auch für Menschen ohne Einschränkungen ist es angenehm, in Ruhe einzukaufen.“

Aktionswoche vom 4. bis 9. Mai

Die Stadt ruft gemeinsam mit dem künftigen Beirat für Menschen mit Behinderungen Unternehmen zur Teilnahme an der Aktion „Stille Stunde“ auf. Im Fokus steht die Woche vom 4. bis 9. Mai, denn der 5. Mai ist der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. „Durch die gezielte Reduzierung von Reizen wird ein Umfeld geschaffen, das einen entspannteren Aufenthalt im öffentlichen Raum ermöglicht“, so das Anliegen.

Einfache Maßnahmen wie gedimmtes Licht, Verzicht auf Durchsagen und Hintergrundmusik, eine reduzierte Geräuschkulisse an den Kassen oder die Ansprechbarkeit von Mitarbeitern können bereits viel bewirken. Die Idee muss nicht auf den Einzelhandel beschränkt bleiben: In Süddeutschland hat beispielsweise ein Friseursalon eine Stille Stunde eingeführt.

Nachhaltiges Engagement erwünscht

Ramona Batke hofft, dass die Wirkung des Aufrufs über die Aktionswoche hinausreicht. Interessierte Unternehmen können sich unter der Telefonnummer 0395 555 2315 oder per E-Mail an [email protected] melden.

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