Ukrainisches Paar eröffnet Laden für osteuropäische Spezialitäten in Schwerin
Ukrainisches Paar startet in Schwerin durch

In Russland, Polen und der Ukraine gehören sie einfach dazu: Pelmeni, Vareniki, gefüllte Teigtaschen, die dampfend auf den Tisch kommen. Der Duft erinnert an Familienküchen, an Sonntage, an Großmütter, die mit geübten Händen Teig falten. Auch in Deutschland sind die Spezialitäten längst angekommen – doch oft bleibt der Geschmack austauschbar. Genau hier setzen Vadym Volkov und Inna Volkova an.

Ein Stück Heimat in der Goethestraße

In ihrem kleinen Laden in der Goethestraße 89 sind die Tiefkühltruhen gut gefüllt, dicht an dicht liegen dort sorgfältig verpackte Speisen: Teigtaschen in allen Varianten, herzhafte Suppen, gefüllte Fleischgerichte. Das Ehepaar stammt aus der ukrainischen Stadt Schytomyr. Beide sind ausgebildete Technologen, wollten nach dem Studium praktische Erfahrung sammeln und entschieden sich 2019, nach Deutschland zu gehen.

Von der Milchfarm zum eigenen Geschäft

Zunächst arbeiteten sie auf einer Milchfarm, sammelten Erfahrung, planten ihre Zukunft. Die Idee war klar: lernen, Geld verdienen, irgendwann zurückkehren. Dann kam das Jahr 2022. Im Februar reisten sie noch einmal in ihre Heimat. Als sich die Lage zuspitzte, entschieden sie sich früh am Morgen zur Abreise. Wenige Stunden später begann der Krieg. „Wir sind gerade noch rechtzeitig los“, sagt Volkov. Was folgte, war ein Bruch und gleichzeitig ein Neuanfang. Eine Rückkehr in die Ukraine war nicht mehr möglich. Stattdessen entschieden sie sich, in Deutschland zu bleiben und sich hier ein Leben aufzubauen. Heute lebt die junge Familie in Lenzen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vom Traum zum Verkaufsladen

Schon vor dem Krieg spielte Vadym Volkov mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen – doch erst nach 2022 nahm die Idee konkrete Formen an. Die Suche nach einem passenden Standort erwies sich als langwierig. Schließlich wurden sie in der Goethestraße fündig: ein ehemaliger Friseursalon, große Fenster, zentrale Lage in der Schweriner Innenstadt, viel Laufkundschaft. „Hier können die Leute sehen, was wir machen“, sagt Volkov. Eigentlich hatten beide von einem Restaurant mit offener Küche geträumt. Doch bürokratische Auflagen und hohe Investitionskosten machten diesen Schritt zunächst unrealistisch. Stattdessen entschieden sie sich bewusst für einen kleineren Einstieg mit Verkaufsladen und Onlineshop. „Wir wollen erst sehen, ob die Produkte angenommen werden“, erklärt Volkov. „Und wenn alles gut läuft, können wir uns vorstellen, später zu wachsen – vielleicht auch mit einem eigenen Restaurant.“

Handarbeit statt Massenproduktion

Ihr Konzept ist klar: traditionelle Gerichte aus Osteuropa, handgemacht, ohne Zusatzstoffe. „Keine Maschinen, keine Chemie – alles wird von Hand gemacht“, sagt Volkov. Die Produkte beziehen sie über ein Franchise mit ukrainischen Wurzeln, „Multicook“ ist inzwischen europaweit vertreten. Langfristig wollen sie ihre Gerichte auch frisch zubereiten und vor Ort zur Verkostung anbieten. „Damit die Menschen sehen, wie es entsteht und wie es wirklich schmeckt.“ Ein Blick in die Truhen zeigt die Vielfalt: Rund 66 Produkte gehören aktuell zum Angebot. Pelmeni mit verschiedenen Fleischsorten, Vareniki, Blini, Zrazy, Suppen und herzhafte Fleischgerichte. „Ich liebe besonders die Blini“, sagt Volkov. „Das erinnert mich an Zuhause.“ Viele Kunden kommen aus osteuropäischen Ländern, kennen die Gerichte seit ihrer Kindheit. Für sie ist der Laden ein Stück Heimat. Andere probieren zum ersten Mal. „Wenn sie es kosten, verstehen sie den Unterschied zu anderen TK-Angeboten“, sagt Volkov lachend.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Zwischen Familie, Arbeit und Zukunft

Noch ist vieles im Aufbau. Beide arbeiten weiterhin parallel, kümmern sich um ihre kleine Tochter und investieren jede freie Minute in ihr Geschäft. Der Vertrieb läuft dabei zweigleisig: Bestellungen sind weiterhin über den bestehenden Onlineshop www.multicook-schwerin.de möglich. Gleichzeitig öffnen Vadym Volkov und Inna Volkova ihren Laden in der Goethestraße nun auch vor Ort für Kunden. Ab dem 30. April soll der Verkauf regelmäßig stattfinden – zunächst freitags von 13 bis 16 Uhr. Perspektivisch sind auch erweiterte Öffnungszeiten denkbar. „Wir wollen Schritt für Schritt wachsen“, sagt Volkov. „Erst schauen, wie es angenommen wird und dann weiter planen.“ Am 30. April laden sie zur Eröffnung ein – mit Verkostungen und kleinen Überraschungen für die Besucher.