Alkoholfreie Weine im Osten: Winzer zwischen Wachstumsmarkt und Skepsis
Alkoholfreie Weine: Ost-Winzer reagieren auf Trend

Alkoholfreie Weine im Osten: Winzer zwischen Wachstumsmarkt und Skepsis

Immer mehr Winzer in Ostdeutschland reagieren auf den Trend zu alkoholfreien Alternativen und bieten entsprechende Produkte zu herkömmlichen Weinen und Sekten an. Während große Marken wie Rotkäppchen diesen Bereich als entscheidenden Wachstumsmarkt betrachten, zeigen sich kleinere Betriebe und Winzervereinigungen deutlich skeptischer.

Tradition trifft auf Innovation

Auch das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul hat inzwischen einen alkoholfreien Sekt im Angebot. Kellermeister Jürgen Aumüller erklärt die Herausforderungen: „Wenn dem Wein, der die Grundlage für den Sekt bildet, der Alkohol technisch entzogen wird, fehlt auch ein Geschmacksträger.“ Das Verhältnis von Süße und Säure müsse deshalb angepasst werden, um den Geschmack vollmundiger zu gestalten.

Der Markt für Sekt scheint in Zeiten sinkenden Alkoholkonsums ein stabiler Anker zu sein. Während der Weinkonsum nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) im vergangenen Jahr erneut sank, blieb der Absatz bei Sekt und Schaumwein weitgehend stabil. Schloss Wackerbarth hat seinen Sektabsatz seit 2002 nach eigenen Angaben verfünffacht.

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Marktführer setzt auf Wachstum

Die wohl bekannteste ostdeutsche Sektmarke Rotkäppchen gibt es nach Unternehmensangaben bereits seit 2008 auch alkoholfrei. Geschäftsführerin Silvia Wiesner betont: „Alkoholfrei ist für uns ein zentraler Hebel für weiteres Wachstum.“ Das Unternehmen sieht sich durch eigene Marktforschung bestätigt – laut einer Trendstudie wünscht sich jeder Zweite von 1.500 Befragten mehr Auswahl im Bereich alkoholfreier Weine.

Secco, Riesling und Rosé ohne Rausch und Alkohol waren auch bei der Fachmesse ProWein in Düsseldorf ein großes Thema. Absatz und Umsatz dieser Weinart zogen im vergangenen Jahr um 25 Prozent an. Dennoch bleibt die Getränkeart für Winzer eine Nische: Der Anteil alkoholfreier Weine am Gesamtumsatz liegt laut DWI bei nur rund zwei Prozent.

Kleinere Betriebe bleiben zurückhaltend

Die Freyburger Winzervereinigung in Sachsen-Anhalt zeigt sich entsprechend skeptisch. Geschäftsführer Hartmut Schreiter bremst die Erwartungen: „Wir betrachten das hier absolut als Ergänzungsprodukt.“ Rund drei Prozent des verkauften Weins entfallen auf die beiden alkoholfreien Sorten der Vereinigung.

Für kleinere Betriebe sei der Einstieg ins alkoholfreie Geschäft besonders schwierig. Das aufwendige Verfahren des Alkoholentzugs erfordere den Transport zu externen Dienstleistern, was zusätzliche Produktionsschritte und Kosten verursache. Bereits für die rund 360 Winzer der Freyburger Winzervereinigung sei dies angesichts des geringen Umsatzanteils ein hoher Aufwand.

Alternativen mit reduziertem Alkoholgehalt

Anders sieht es beim Trend zu Weinen mit geringerem Alkoholgehalt aus. Hier arbeitet die Freyburger Winzervereinigung bereits daran, eine neue Sorte auf den Markt zu bringen. Das Ziel sei ein Wein mit 7 bis 8,5 Prozent Alkohol statt der üblichen 12 bis 13 Prozent. Solche Produkte könnten mit traditionellen Methoden ohne zusätzlichen Aufwand erreicht werden und lägen geschmacklich näher am klassischen Wein.

Optimismus trotz schwieriger Marktlage

Trotz eines schwierigen Marktumfelds mit rückläufigem Weinkonsum bleiben die Winzer an Saale und Unstrut optimistisch. Sie setzen vor allem auf die Vermarktung im Osten Deutschlands als regionales Produkt. Der Absatz der Freyburger Winzervereinigung sei stabil „mit kleiner Wachstumstendenz“, so Geschäftsführer Schreiter.

Auch das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth verzeichnet eine positive Entwicklung mit steigenden Besucherzahlen, einem stabilen bis wachsenden Absatz und starker regionaler Bekanntheit als Erlebnisweingut. Die Winzer im Osten Deutschlands beweisen damit, dass Tradition und Innovation durchaus vereinbar sein können – auch wenn der Weg zu breiter Akzeptanz alkoholfreier Weine noch einige Herausforderungen birgt.

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