Deutscher Cocktail-Meister Jakob Schröder: Warum James Bond beim Martini falsch lag
Vor drei Monaten überraschte ein 25-Jähriger die deutsche Barszene: Jakob Schröder aus Gummersbach gewann die nationale Cocktail-Meisterschaft mit seinem Kreation „Slow Motion“. Der Mix aus Tee, Cognac, Rum und Likör überzeugte die Jury durch höchste Kreativität und handwerkliche Perfektion. Besonders hervorstechend war die Garnitur: ein selbstgebackener Glückskeks mit der Aufschrift „Nimm dir Zeit, genieße den Moment“.
Espresso Martini: Ein Feel-Good-Drink mit Zukunft
Der Espresso Martini war im vergangenen Jahr einer der beliebtesten Cocktails in Deutschland – und wird laut Schröder auch 2026 weiterhin stark nachgefragt sein. „Er ist ein echter Feel-Good-Drink, der zwei aktuelle Trends vereint“, erklärt der Meister-Bartender. „Einerseits den Wunsch nach schlanken, eleganten Drinks mit einer schönen Präsentation. Andererseits das Bedürfnis, den Abend energiegeladen zu gestalten. Manche nennen ihn auch die feine Variante von Wodka Red Bull.“
In seiner Bar „Toddy Tapper“ in Köln gibt Schröder dem Klassiker einen eigenen Twist: Statt der Standardzutaten verwendet er selbst hergestellten Salzkaramellsirup, einen Kaffeelikör auf Tequila-Basis und den Abrieb der Tonkabohne für eine sanfte Vanillenote. „Ich persönlich bevorzuge Rum, weil er der Mischung ein schokoladiges Aroma verleiht“, verrät Schröder.
Martini-Comeback: Vom Klassiker zur modernen Interpretation
Streng genommen ist der Espresso Martini gar kein echter Martini, da ihm der charakteristische Wermut fehlt. Doch der Name steht für Klassik und Eleganz – und das ist gerade sehr gefragt. „Der Martini wird wohl für immer der bekannteste Drink der Welt bleiben“, sagt Schröder. „Die Kombination aus Gin und Wermut erlebt gerade ein Comeback in vielen Variationen.“
Beliebte moderne Interpretationen sind der Pornstar-Martini mit Wodka, Vanille und Passionsfrucht oder der Savory Martini mit salzigen und kräuterigen Noten. Schröders persönlicher Favorit ist der Dirty Martini mit herzhafter Olivenlake.
Die große Frage: Gerührt oder geschüttelt?
„Eindeutig gerührt, nicht geschüttelt“, betont Schröder mit Nachdruck. „Was den Geschmack angeht, lag James Bond falsch. Ein Martini ist technisch anspruchsvoll und muss sehr kalt serviert werden.“ Sein Geheimtipp: Die Mischung sollte in einem großen Glas mit vielen Eiswürfeln schnell verrührt werden, bevor sie ins Glas gefüllt wird. Idealerweise kommen Gin oder Wodka direkt aus dem Eisfach. „Die Kälte verhindert, dass die Mixtur zu aufdringlich nach Alkohol schmeckt.“
Vom Teetrinker zum Cocktail-Meister
Schröders Weg in die Welt der Cocktails begann nach der Schule in der Gastronomie. „Mir gefiel der Austausch mit den Gästen“, erinnert er sich. Ohne klassische Ausbildung zum Barkeeper eignete er sich das Wissen durch Mixology-Bücher und Experimente selbst an. Der Durchbruch kam, als der Inhaber der Bar „Toddy Tapper“ einen neuen Mitarbeiter suchte.
Seine Inspiration für den Sieger-Cocktail „Slow Motion“ fand Schröder in seiner Leidenschaft für Tee. „In der Gastronomie hat man viel Stress. Der Drink sollte genau das bewirken – zur Ruhe zu kommen.“ Wochenlang experimentierte er mit verschiedenen Teesorten, bis die perfekte Mischung aus „Milky Oolong“-Sirup, Cognac, fruchtigem Rum und Orangenlikör gefunden war.
Trends und Zutaten: Was 2026 in den Bars zählt
Schröder beobachtet mehrere Entwicklungen in der Barkultur:
- Agavenschnäpse im Aufwind: Tequila und Mezcal werden immer beliebter, wobei das Interesse an Premium-Marken und komplexen Añejos wächst.
- Puristische Präsentation: Ein guter Cocktail in einem schönen Glas braucht keine aufwendige Dekoration.
- Food Pairing: Schröder serviert zu bestimmten Drinks passende Begleiter wie dunkle Schokolade oder in Ahornsirup karamellisierte Walnüsse.
- Junge Generation, neue Ansätze: „Ich orientiere mich bei den Zutaten viel mehr an der Sterneküche“, erklärt der 25-Jährige. Früchte werden zu Juices verarbeitet, Kräuteressenzen und Gewürze sorgen für neue Geschmacksrichtungen.
Die Zukunft des Barkeeper-Berufs
Trotz der wachsenden Sober-Bewegung bleibt Alkohol in Bars ein wichtiges Thema. „Wer zu uns kommt, möchte meist etwas Alkoholisches“, sagt Schröder. Allerdings beobachtet er, dass Gäste insgesamt weniger Alkohol trinken und sich öfter für leichtere Getränke wie Spritz oder aromatisierte Weine entscheiden.
Was ihn an seinem Beruf am meisten begeistert? „Neben dem Spaß am Ausprobieren ist es der Kontakt zu den Gästen. Wenn ich ihnen einen Drink so zubereite, wie sie ihn noch nie getrunken haben, und dann ein Leuchten in ihren Augen sehe – das ist ein tolles Gefühl.“
Mit seinem innovativen Ansatz und der Leidenschaft für handwerkliche Perfektion steht Jakob Schröder exemplarisch für eine neue Generation von Bartendern, die traditionelle Techniken mit moderner Kreativität verbinden.



