Deutschland führt bei Zuckerkonsum aus Getränken: Foodwatch fordert Zuckersteuer
Deutschland Spitzenreiter bei Zuckerkonsum aus Getränken

Deutschland an der Spitze: Höchster Zuckerkonsum aus Getränken in Westeuropa

Eine aktuelle Auswertung der Verbraucherorganisation Foodwatch enthüllt einen besorgniserregenden Trend: In Deutschland nehmen Menschen täglich durchschnittlich fast 26 Gramm Zucker allein aus Getränken wie Brause, Limonade oder Saft zu sich. Das entspricht mehr als acht Zuckerwürfeln und stellt die Bundesrepublik auf den ersten Platz unter den zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Ländern. Luise Molling von Foodwatch kommentierte diesen Befund als "traurigen Spitzenplatz" und warnte vor den gesundheitlichen Folgen.

Vergleich mit anderen europäischen Ländern

Die Daten, die auf Berechnungen des Instituts Euromonitor basieren, zeigen deutliche Unterschiede innerhalb Europas. Auf Platz zwei folgt Österreich mit etwa 23 Gramm Zucker pro Tag, während die Niederlande mit 20 Gramm den dritten Rang belegen. Im Kontrast dazu konsumieren Südeuropäer deutlich weniger: Italien liegt mit nur 9,5 Gramm pro Kopf und Tag am unteren Ende der Skala, gefolgt von Portugal, Spanien und Frankreich. Diese Diskrepanz ist teilweise auf höhere Zuckergehalte in deutschen Getränken zurückzuführen – beispielsweise enthält Fanta in Deutschland 7,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, in Großbritannien dagegen nur 4,5 Gramm.

Forderungen nach einer Zuckersteuer und gesundheitliche Auswirkungen

Foodwatch nutzte die Veröffentlichung der Zahlen, um erneut eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild zu fordern. In Großbritannien wurde 2018 eine Zusatzabgabe auf zuckerhaltige Getränke eingeführt, die zu einem Rückgang des Zuckergehalts um 35 Prozent führte. Der tägliche Zuckerkonsum aus Getränken sank dort auf 16 Gramm pro Person. Foodwatch rief die CDU auf, eine solche Steuer nicht länger zu blockieren, insbesondere vor ihrem Bundesparteitag am kommenden Wochenende. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte bereits eine Gesetzesinitiative im Bundesrat angekündigt.

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Die gesundheitlichen Implikationen sind gravierend: Der hohe Zuckerkonsum trägt zu Krankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit bei und belastet das Gesundheitssystem mit Milliardenkosten. Statistiken des Statistischen Bundesamts belegen, dass jeder Deutsche im Jahr 2024 rechnerisch 93 Liter zuckerhaltige Erfrischungsgetränke konsumierte, bei einer Produktion von 7,7 Milliarden Litern. Zusätzlich zum Trinken isst jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich 41,2 Kilogramm Zucker pro Jahr – das ist doppelt so viel wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen und übersteigt den globalen Durchschnitt erheblich.

Weitere Faktoren und Handlungsbedarf

Während genetische Faktoren die Lebensdauer beeinflussen können, betonen Experten, dass eine gesunde Ernährung mit reduziertem Zuckerkonsum das Leben um bis zu 20 Jahre verlängern kann. Die aktuelle Debatte unterstreicht die Dringlichkeit politischer Maßnahmen, um den Zuckerverbrauch zu senken und die öffentliche Gesundheit zu fördern. Die Forderung nach einer Zuckersteuer gewinnt angesichts dieser Daten an Bedeutung, um ähnliche Erfolge wie in Großbritannien zu erzielen und den "flüssigen Zucker" in deutschen Haushalten einzudämmen.

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