Deutschland an der Spitze: Fast 26 Gramm Zucker täglich durch Getränke
Fast 26 Gramm Zucker – jeden Tag, nur durch Getränke! Deutschland schluckt laut einer aktuellen Datenauswertung mehr süße Flüssigkeiten als jedes andere der zehn bevölkerungsreichsten westeuropäischen Länder. Das geht aus Zahlen hervor, die die Verbraucherorganisation Foodwatch am Sonntag vorlegte. Demnach nehmen Menschen hierzulande täglich fast 26 Gramm Zucker allein durch Getränke zu sich und belegen damit den unrühmlichen ersten Platz in Westeuropa.
Europäischer Vergleich zeigt deutliche Unterschiede
Die Studie offenbart erhebliche Unterschiede innerhalb Europas. Direkt hinter Deutschland folgt Österreich mit rund 23 Gramm Zucker pro Tag, während die Niederlande auf etwa 20 Gramm kommen. Ganz anders präsentiert sich die Situation in Südeuropa: Dort konsumieren die Menschen deutlich weniger Zucker durch zuckerhaltige Getränke wie Limonaden, Fruchtsäfte oder Energydrinks.
Italien verzeichnet mit nur 9,5 Gramm pro Kopf und Tag den niedrigsten Wert, gefolgt von Portugal, Spanien und Frankreich. Diese regionalen Unterschiede werfen Fragen nach den Ernährungsgewohnheiten und gesundheitlichen Auswirkungen in verschiedenen europäischen Ländern auf.
Methodik und Datenbasis der Untersuchung
Grundlage der Ergebnisse sind laut Foodwatch Daten des renommierten Marktforschungsinstituts Euromonitor. Das Institut berechnet Verbrauchszahlen für Inhaltsstoffe auf Basis von Verkaufsdaten der Endprodukte und analysiert dabei die Rezepturen der wichtigsten Produkte am Markt. Diese methodische Herangehensweise gewährleistet eine fundierte und vergleichbare Datengrundlage für die europäische Vergleichsstudie.
Gesundheitliche Folgen und politische Forderungen
Luise Molling von Foodwatch bezeichnet Deutschlands Spitzenwert als „traurigen Spitzenplatz“ und warnt vor den gesundheitlichen Konsequenzen: „Der flüssige Zucker macht krank und kostet unser Gesundheitssystem Milliarden.“ Vor dem anstehenden CDU-Bundesparteitag fordert die Verbraucherorganisation die Partei auf, „eine Zuckersteuer nicht länger zu blockieren“.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte Ende vergangenen Jahres angekündigt, eine Gesetzesinitiative seines Landes im Bundesrat zur Einführung einer bundesweiten Zuckersteuer auf den Weg zu bringen. Ein entsprechender Antrag sollte auch auf dem CDU-Bundesparteitag eingebracht werden, was die politische Debatte um gesündere Ernährung weiter anheizt.
Großbritannien als Vorbild für erfolgreiche Maßnahmen
Foodwatch fordert eine solche Steuer bereits seit Jahren und verweist auf positive Erfahrungen aus Großbritannien. Dort gibt es seit 2018 eine Zusatzabgabe auf Getränke, die sich nach der Menge des zugesetzten Zuckers richtet. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Nach Angaben von Foodwatch ist der Zuckergehalt in Getränken in Großbritannien seitdem um 35 Prozent gesunken.
Konkret bedeutet dies: Das Erfrischungsgetränk Fanta enthält in Großbritannien inzwischen nur noch 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter – in Deutschland sind es dagegen 7,6 Gramm. Pro Kopf und Tag konsumieren die Britinnen und Briten nun 16 Gramm Zucker durch Getränke, was laut Foodwatch einen „deutlichen Rückgang“ des Zuckerkonsums darstellt. Diese Zahlen belegen, dass gezielte politische Maßnahmen tatsächlich zu messbaren Verbesserungen führen können.
Zuckerhaltige Getränke als unterschätzte Gesundheitsgefahr
Zuckerhaltige Getränke gelten als versteckte Dickmacher, deren Wirkung auf Übergewicht und damit verbundene Gesundheitsprobleme von vielen Menschen unterschätzt wird. Die regelmäßige Aufnahme großer Zuckermengen durch Getränke kann zu Gewichtszunahme, Diabetes Typ 2, Karies und anderen ernährungsbedingten Erkrankungen führen. Die aktuelle Studie unterstreicht die Dringlichkeit, dieses Problem sowohl auf individueller als auch auf politischer Ebene anzugehen.
Die Diskussion um eine mögliche Zuckersteuer gewinnt vor diesem Hintergrund zusätzliche Brisanz. Während Kritiker eine solche Abgabe als Bevormundung ablehnen, argumentieren Befürworter mit den erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem und den nachweislich positiven Erfahrungen aus anderen Ländern. Die politische Entscheidung wird zeigen, welchen Stellenwert die Volksgesundheit in Deutschland künftig einnehmen soll.



