EU-Kompromiss zu Veggie-Produkten: Minister Rainer sieht Licht und Schatten
EU-Kompromiss zu Veggie-Produkten: Rainer kritisiert

EU-Einigung zu vegetarischen Produktnamen: Minister Rainer mit gemischten Gefühlen

Nach langen Verhandlungen auf europäischer Ebene gibt es nun eine Einigung zur Bezeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel. Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) äußert sich in einer ersten Stellungnahme mit ambivalenten Bewertungen zu dem erzielten Kompromiss.

Erleichterung über erhaltene Bezeichnungen

„Es ist gut, dass das Veggie-Schnitzel-Verbot vom Tisch ist“, erklärte Minister Rainer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der CSU-Politiker betonte dabei das mündige Verbraucherverhalten: „Die Verbraucher sind schlau und mündig. Sie wissen längst, dass im Veggie-Schnitzel kein Fleisch ist.“

Die Unterhändler der EU-Staaten und des Europäischen Parlaments hatten sich darauf verständigt, dass etablierte Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ und „Tofu-Wurst“ weiterhin verwendet werden dürfen. Damit wurde ein Vorstoß europäischer Abgeordneter aus dem vergangenen Jahr abgewendet, der solche Namen von Speisekarten hätte verbannen wollen.

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Kritik an neuen Beschränkungen

Gleichzeitig übte der Minister deutliche Kritik an anderen Aspekten der Vereinbarung. Besonders problematisch sieht Rainer die geplante Einführung einer Liste mit Begriffen, die künftig ausschließlich Fleischprodukten vorbehalten sein sollen. „Wir hätten uns gewünscht, dass diesbezüglich gar keine Neuregelung kommt“, sagte der Ernährungsminister.

Konkret sollen bestimmte „Veggie“-Bezeichnungen tabu werden, die sich auf Tierarten oder spezifische Fleischteilstücke beziehen. Dazu zählen laut Vertretern des EU-Parlaments beispielsweise:

  • Geflügel und Rindfleisch als Tierarten
  • Rippchen, Schulter und Kotelett als Teilstücke
  • Speck als spezifisches Produkt

Damit dürften künftig Bezeichnungen wie „Veggie-Hühnchen“ oder „Tofu-Rippchen“ nicht mehr verwendet werden.

Bürokratischer Mehraufwand für die Branche

Minister Rainer warnte vor den praktischen Konsequenzen der neuen Regelungen: „Der Kompromiss bedeutet für die Branche unnötigen Mehraufwand.“ Der bürokratische Aufwand für die Umstellung von Produktbezeichnungen und Verpackungen sei für viele Unternehmen immens.

Der CSU-Politiker bekräftigte seine bereits im vergangenen Jahr geäußerte Position: „Für die Unternehmen wäre der bürokratische Aufwand für die Umstellung immens gewesen. Ich habe von Anfang an gesagt, so eine Entscheidung hätte man vor zehn Jahren treffen müssen.“

Hintergrund der EU-Verhandlungen

Die Diskussion um die Bezeichnung vegetarischer Produkte hatte in den vergangenen Monaten für erheblichen Wirbel gesorgt. Ursprünglich hatten einige europäische Abgeordnete gefordert, fleischähnliche Bezeichnungen für pflanzliche Alternativen komplett zu verbieten, um Verbraucherverwirrung zu vermeiden.

Die nun gefundene Kompromisslösung spiegelt den schwierigen Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen wider: Einerseits soll die Transparenz für Verbraucher gewahrt bleiben, andererseits sollen etablierte Marketingbegriffe und Produktnamen nicht übermäßig eingeschränkt werden.

Die endgültige Umsetzung der neuen Regelungen wird in den kommenden Monaten auf nationaler Ebene erfolgen müssen, wobei Minister Rainer bereits signalisiert hat, dass er die praktischen Auswirkungen für deutsche Hersteller kritisch im Blick behalten wird.

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