Fertigprodukte für Kinder: Wie Wurst, Chips und Pizza Gesundheit und Entwicklung gefährden
Vieles, was Kindern schmeckt, ist nicht gut für sie. Experten warnen eindringlich vor den Folgen von hochverarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Chips und Tiefkühlpizza für die Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Der Überblick zeigt, dass diese Produkte oft als Dickmacher gelten und mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht werden.
Was sind hochverarbeitete Lebensmittel?
Sogenannte hochverarbeitete Lebensmittel enthalten häufig viel Zucker, viel Salz, gehärtete Fette, industrielle Stärken und zahlreiche Zusatzstoffe wie Emulgatoren, Farbstoffe oder Aromastoffe. Meist sind sie verzehrfertig oder müssen nur noch aufgewärmt werden. Daniela Graf vom Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, betont: "Wir essen diese Produkte ja nicht on top, sondern diese ersetzen unsere traditionellen Lebensmittel – und im Normalfall sind das eben das frische Obst und Gemüse, die Vollkornprodukte." Sprich: Statt Haferflocken mit frischem Apfel gibt es Frühstückszerealien, statt Vollkornbrot weißen Toast, statt eines frisch gekochten Mittagessens Tiefkühlpizza.
Gesundheitsfolgen für Kinder
Das Hauptproblem ist aus Sicht des Berliner Kinder- und Jugendmediziners Frank Jochum vom Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau, dass diese Lebensmittel eine hohe Energiedichte haben und Zusatzstoffe und Aromen diese gleichzeitig sehr schmackhaft machen. "Da passiert es eben schnell, dass man mehr isst, als man Hunger hat." Dazu trägt bei, dass viele dieser Lebensmittel einfach zu verzehren sind und nicht lange gekaut werden müssen, sodass man innerhalb kurzer Zeit viele Kalorien zu sich nimmt. Wer regelmäßig zu viele dieser Lebensmittel isst, kann also dick werden. Jeder vierte junge Mensch von fünf bis 19 Jahre in Deutschland ist laut dem Kinderhilfswerk Unicef übergewichtig, acht Prozent gelten sogar als adipös. Übergewicht erhöht Jochum zufolge das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen, darunter Typ-2-Diabetes, Arthrose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung
Im Kinderalter habe das noch eine viel größere Dimension als im Erwachsenenalter, betont der Experte der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin. "Denn bei den Kindern kommt im Vergleich zu den Erwachsenen eine weitere Komponente hinzu, nämlich die Beeinträchtigung von Wachstum und Entwicklung." Wer Übergewicht hat, bewegt sich in der Regel weniger. "Wenn ein Kind sich regelmäßig nicht ausreichend bewegt, dann wird dadurch auch die Entwicklung gestört", erläutert Jochum. Die motorische und neurologische Entwicklung werde weniger angeregt, auch die intellektuelle und die psychische Entwicklung könne leiden. "Das hat Auswirkungen auf das gesamte zukünftige Leben." Kinder, die sich weniger bewegen, verbringen ihm zufolge mehr Zeit am Computer und Smartphone, was wiederum negative Folgen hat. "Sie vereinzeln vielleicht, haben einen höheren Hang zu Depressionen." Snacks und Fertiggerichte führten außerdem zu einem anderen Miteinander zu Hause, sagt er. "Die Zeiten, in denen in Familien wirklich gekocht und gemeinsam gegessen wird, werden seltener."
Psychische Gesundheit und Forschungslage
Eine kanadische Studie sieht Hinweise darauf, dass der Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln in der frühen Kindheit die Verhaltens- und emotionale Entwicklung negativ beeinflussen kann. Christine M. Freitag von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie sagt: "Gesundes Essen ist immer gut. Aber eine psychische Störung kann man nicht allein durch gesundes Essen verhindern. Da gibt es zahlreiche weitere Risikofaktoren." Dass hochverarbeitete Lebensmittel, die viel Salz, Zucker, Fette und Zusatzstoffe enthalten, ungesund sind, darin sind sich viele Fachleute einig. Doch welche Krankheiten diese genau begünstigen können, ist noch unklar. "Tatsächlich weiß man leider noch gar nicht so viel über die Mechanismen", sagt Ernährungsexpertin Graf. Nach Ansicht von Jochum sollte sich die Forschung zudem mehr auf das gesamte Lebensmittel konzentrieren als auf die einzelnen Inhaltsstoffe. "Es spielt nicht nur eine Rolle, wie viele Aminosäuren oder Proteine es zum Beispiel enthält. Man muss auch die Wechselwirkungen der Inhaltsstoffe genauer betrachten."



