Intervallfasten: Neue Studie entzaubert den Hype – Kein klarer Vorteil gegenüber anderen Diäten
Intervallfasten hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt und wird oft als besonders gesundheitsförderliche Methode zum Abnehmen beworben. Doch eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit des renommierten Cochrane-Netzwerks wirft einen skeptischen Blick auf diese Trend-Diät und kommt zu ernüchternden Ergebnissen.
Die Methoden des Intervallfastens im Überblick
Hinter dem Begriff Intervallfasten verbergen sich verschiedene Konzepte, bei denen für bestimmte Zeiträume ganz oder teilweise auf Nahrung verzichtet wird. Zu den populärsten Varianten zählen:
- Time-Restricted Eating: Die tägliche Nahrungsaufnahme wird auf ein kurzes Fenster, meist maximal acht Stunden, begrenzt, während die Fastenphase auf mindestens 16 Stunden ausgedehnt wird (16:8-Methode).
- 5:2-Methode: An zwei Tagen pro Woche wird die Energiezufuhr drastisch reduziert, während an den restlichen fünf Tagen weniger strenge Beschränkungen gelten.
Neben dem Gewichtsverlust werden dem Intervallfasten zahlreiche gesundheitliche Vorteile nachgesagt, die jedoch wissenschaftlich umstritten bleiben.
Die Cochrane-Studie: Eine umfassende Analyse
Für die Übersichtsarbeit werteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Cochrane-Netzwerks insgesamt 22 Studien mit 1995 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmenden aus. Die Analysen dieses Netzwerks gelten als besonders hochwertig und zuverlässig in der medizinischen Forschung.
Die Autorinnen und Autoren kommen zu einem klaren Ergebnis: Im Vergleich zu klassischer Ernährungsberatung ist Intervallfasten beim Abnehmen nicht eindeutig überlegen. Auch in puncto Lebensqualität zeigte sich kein klarer Vorteil. Anders sieht es aus, wenn das Fasten mit gar keiner Maßnahme verglichen wird – dann hilft es wahrscheinlich dabei, etwas Gewicht zu verlieren. Dies deutet darauf hin, dass der Effekt vor allem dann eintritt, wenn überhaupt eine signifikante Änderung des Essverhaltens erfolgt.
Expertenmeinungen: Kritik und Zustimmung
Stefan Kabisch, Studienarzt an der Berliner Charité, zeigt sich von den Ergebnissen nicht überrascht. Er betont, dass frühere Metaanalysen bereits ähnliche Schlüsse gezogen haben. "Der Hype um Intervallfasten war zu keiner Zeit von überzeugenden Humanstudien untermauert, sondern verfrüht bis ungerechtfertigt", so Kabisch. Die Evidenzlage sei sehr unsicher, nicht zuletzt aufgrund der großen Vielfalt an Intervallfasten-Varianten, die oft unklar dokumentiert seien.
Annette Schürmann vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung kritisiert hingegen die Auswahl der Studien in der Cochrane-Arbeit. Sie bezeichnet diese als "extrem heterogen" und weist auf positive Ergebnisse aus Tierstudien hin, die eine Wirkung auf den Blutzuckerspiegel nahelegen. Auch Leonie Heilbronn von der Adelaide University in Australien moniert, dass verschiedene Formen des Intervallfastens vermischt wurden, obwohl sie nicht gleichwertig seien.
Jörg Meerpohl, Direktor von Cochrane Deutschland, hält die Methodik der Arbeit dagegen für robust und den Qualitätsstandards entsprechend. Er fasst zusammen: "Es gibt Hinweise dafür, dass Intervallfasten ähnlich wirksam zu sein scheint wie andere Diätformen. Aber es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis."
Offene Fragen und praktische Implikationen
Die Studien liefen meist über ein halbes bis ein Jahr, längere Beobachtungen waren selten. Daher bleibt unklar, ob sich die Effekte langfristig halten und wie gut Menschen solche Regeln in den Alltag integrieren können. Bei möglichen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel liefert die Analyse kein eindeutiges Bild – die Daten sind zu spärlich und uneinheitlich.
Das Fazit der Autorinnen und Autoren fällt pragmatisch aus: Intervallfasten kann beim Abnehmen helfen, insbesondere im Vergleich zu "nichts tun". Gegenüber guter Ernährungsberatung oder etablierten Methoden ist es aber nicht klar überlegen. Weitere Forschung ist nötig, um Nutzen und Risiken verlässlich einzuordnen.
Wer Intervallfasten ausprobieren möchte, sollte es weniger als Wundermethode verstehen, sondern als eine von mehreren Strategien, die bei einer langfristigen Ernährungsumstellung unterstützen können. Die Studie unterstreicht, dass eine konsequente Kalorienreduktion – unabhängig von der gewählten Methode – der Schlüssel zum Erfolg ist.



