Vom Problem zur Delikatesse: Fleischermeister verwertet Waschbär und Nutria
Was viele als Problemtiere betrachten, wird in seiner Fleischerei zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet. Ein Fleischermeister hat sich darauf spezialisiert, invasive Arten wie Waschbär und Nutria in Wurstwaren zu verwandeln – und das aus tiefster Überzeugung. Denn bevor er den Fleischerberuf ergriff, war er vor allem eines: ein passionierter Jäger.
Die Philosophie hinter der ungewöhnlichen Verwertung
„Fleisch nicht achtlos verkommen lassen“ – dieser Gedanke trieb Michael Reiß an. Statt erlegtes Wild als Abfall zu betrachten oder gar zu entsorgen, wollte er Tiere wie Waschbär und Nutria vollständig verwerten. Aus dieser ethischen Haltung heraus entschied er sich, das Fleischerhandwerk zu erlernen und zu perfektionieren.
Michael Reiß hat mit seiner unkonventionellen Fleischerei für Aufsehen gesorgt. Der Grund liegt in seinem außergewöhnlichen Sortiment: Er verkauft Fleisch- und Wurstwaren, die in herkömmlichen Metzgereien kaum zu finden sind. Zu seinen Spezialitäten gehören neben klassischem Wildbret auch Produkte aus Waschbär und Nutria.
Vom Jäger zum kreativen Fleischer
Begonnen hat alles mit der Jagd. Reiß konnte nicht länger hinnehmen, dass ein Teil seiner Beute ungenutzt blieb oder sogar entsorgt wurde. Also begann er zunächst, Reh- und Wildschweinfleisch selbst zu verarbeiten. Sein Durchbruch kam, als er für die Grüne Woche Waschbär-Hackbällchen kreierte. Um seine Produkte auch überregional anbieten zu können, wurde er weiter kreativ und entwickelte Versandmöglichkeiten.
Ihm ist besonders wichtig, dass alle Teile des Tieres verwendet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelt er eigene Rezepte – speziell für Waschbär und Nutria. Für eine gelungene Waschbärsalami mischt er beispielsweise etwas Rehfleisch hinzu, was für die optimale Konsistenz sorgt.
Akzeptanz und ökologische Begründung
Ablehnung erlebt der Fleischermeister nur selten. Die meisten Menschen reagieren neugierig und sind bereit, seine ungewöhnlichen Produkte zu probieren. Dennoch gibt es vereinzelt Beschwerden, auf die Reiß stets mit sachlichen Argumenten reagiert.
Er betont, dass Waschbären in Europa nicht heimisch sind. Als invasive Art haben sie kaum natürliche Feinde und wirken sich negativ auf heimische Tierarten wie Vögel und Reptilien aus. Deshalb gilt ihre Bejagung als ökologisch notwendig – eine Überzeugung, die Michael Reiß teilt und in seiner Arbeit umsetzt.
Vom Hobby zum nachhaltigen Geschäftsmodell
Michael Reiß hat es geschafft, sein Hobby – die Jagd – zum Beruf zu machen. Heute verwertet er nahezu alle Teile seiner Beutetiere und arbeitet damit fast ohne Abfälle. Seine nachhaltigen Produkte vertreibt er auf vielfältige Weise:
- Im eigenen Hofladen vor Ort
- Über das Internet für Kunden im gesamten Bundesgebiet
- Mit einem mobilen Foodtruck, mit dem er durch ganz Deutschland reist
Sein Ansatz verbindet jagdliche Tradition mit modernem Unternehmertum und ökologischem Bewusstsein – ein Beispiel für innovative Lebensmittelverarbeitung in Deutschland.



