Neues Alzheimer-Medikament Leqembi: Streit um Zusatznutzen gefährdet Finanzierung
Alzheimer-Medikament Leqembi: Zusatznutzen umstritten

Neues Alzheimer-Medikament im Fokus: Streit um Zusatznutzen droht Finanzierung zu gefährden

Seit September 2025 ist in Deutschland mit Leqembi ein neues Alzheimer-Medikament verfügbar, das erstmals nicht nur Symptome lindern, sondern kausal in den Krankheitsverlauf eingreifen soll. Doch nun droht ein Finanzierungsstreit, der die Verfügbarkeit des Wirkstoffs gefährden könnte.

G-BA sieht keinen zusätzlichen Nutzen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken kommt in einem aktuellen Gutachten zu dem Schluss, dass der in Leqembi enthaltene Antikörper-Wirkstoff Lecanemab keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber bisherigen Standardtherapien aufweist. "Kein Zusatznutzen bedeutet nicht, dass der Wirkstoff nutzlos ist", betont G-BA-Vorsitzender Josef Hecken. Es gehe spezifisch um den Vergleich mit bereits in Deutschland angewendeten Behandlungen.

Die Bewertung des G-BA folgt einer früheren Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das bereits im Dezember 2025 zu einem ähnlichen Ergebnis kam. Beide Institutionen stützen sich auf verfügbare Studiendaten, die nach ihrer Interpretation keine signifikanten Vorteile bei Lebensqualität und Symptomatik belegen.

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Hohe Kosten und mögliche Marktrücknahme

Das neue Alzheimer-Medikament ist erheblich teurer als bisherige Therapien:

  • Herkömmliche Acetylcholinesterase-Hemmer kosten etwa 20-30 Euro monatlich
  • Leqembi liegt aktuell beim etwa Hundertfachen dieses Preises

Die G-BA-Bewertung hat direkte Auswirkungen auf die Preisverhandlungen mit gesetzlichen Krankenkassen. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte der Hersteller das Medikament vom deutschen Markt nehmen. Erste Patienten werden bereits mit Leqembi therapiert, doch die langfristige Verfügbarkeit steht nun in Frage.

Kritik von Fachgesellschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) übt scharfe Kritik an der G-BA-Einschätzung. Alzheimer-Experte Frank Jessen von der DGPPN argumentiert: "Mit Lecanemab kann erstmals kausal in den Verlauf der Alzheimer-Erkrankung eingegriffen werden." Studien zeigten, dass der Krankheitsverlauf bei Patienten im Frühstadium um 30 Prozent verlangsamt werde.

Die DGPPN warnt vor einer Versorgungslücke, sollte Leqembi tatsächlich vom Markt genommen werden. Jessen betont aus klinischer Perspektive einen klaren Zusatznutzen und weist darauf hin, dass sich das Medikament wegen seiner neuartigen Wirkweise nicht mit bisher verfügbaren Mitteln vergleichen lasse.

Ausblick und weitere Entwicklung

Trotz der aktuellen Bewertung kann Leqembi zunächst weiter verordnet werden. Der G-BA-Vorsitzende Hecken räumt ein, dass neue Daten des Herstellers möglicherweise in Zukunft einen Zusatznutzen belegen könnten. Die Entscheidung über die langfristige Finanzierung wird jedoch die Verfügbarkeit des Medikaments für deutsche Patienten maßgeblich beeinflussen.

Der Streit verdeutlicht die Spannung zwischen innovativer Medizin und wirtschaftlichen Erwägungen im Gesundheitswesen. Während Patienten und Ärzte auf neue Behandlungsoptionen hoffen, müssen Kostenträger den Nachweis eines zusätzlichen Nutzens sehen, um hohe Ausgaben zu rechtfertigen.

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