Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) fordert, dass Amtsärzte künftig direkt in Schulen gegen humane Papillomviren (HPV) impfen. Hintergrund ist die stagnierende Impfquote: Bundesweit haben nur etwa jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge den empfohlenen Schutz gegen HPV-bedingte Krebserkrankungen erhalten.
HPV-Infektionen: Krebsrisiko für Frauen und Männer
Humane Papillomviren sind weit verbreitet und können sowohl bei Frauen als auch bei Männern Krebs auslösen. Jährlich erkranken in Deutschland rund 6250 Frauen an Gebärmutterhalskrebs oder Vaginalkarzinomen sowie 1600 Männer an Peniskrebs. Die Impfung wird seit 2007 für Mädchen und seit 2018 für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen und von allen Krankenkassen übernommen.
Impfquote stagniert seit Corona
Seit der Pandemie steigt die Zahl der geimpften Jugendlichen kaum noch. In Berlin liegt die Quote bei 15-jährigen Mädchen bei 59 Prozent, bei Jungen bei 41 Prozent – immerhin etwas über dem Bundesschnitt (Mädchen: 55 Prozent, Jungen: 36 Prozent). Senatorin Czyborra will die Impfungen nun dorthin bringen, wo die Jugendlichen sind: in die Schulen. Die Durchführung sollen Amtsärzte übernehmen, wofür ein leistungsstarker öffentlicher Gesundheitsdienst nötig sei.
Vorbild Bremen: Schulimpfprogramm seit 2013
In Bremen läuft ein solches Programm bereits seit dem Schuljahr 2013/14 erfolgreich. Eltern werden vorab um ihr Einverständnis gebeten. Die Impfteams impfen jeweils im Herbst die achten Klassen und verabreichen die zweite Dosis fünf Monate später. In Berlin wurden die Schulleitungen per Rundschreiben über HPV-Informationsmaterial für Eltern informiert.
U10-Vorsorgeuntersuchung könnte HPV-Impfung integrieren
Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft zudem, ob die HPV-Impfung fester Bestandteil der U10-Vorsorgeuntersuchung wird. Dieser freiwillige Check wird bei Kindern im Alter von 7 bis 8 Jahren durchgeführt, um Lernschwierigkeiten und Entwicklungsstörungen zu erkennen.
Deutschland liegt hinter EU-Durchschnitt
Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hinterher: Die Impfquote liegt rund zehn Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt (Mädchen: 64 Prozent, Jungen: 55 Prozent). Spitzenreiter sind Island mit 96 Prozent geimpften Mädchen, gefolgt von Norwegen (93 Prozent) und Portugal (91 Prozent).



