Verbraucherschützer schlagen Alarm: Elektronische Patientenakte bleibt weitgehend ungenutzt
ePA bleibt ungenutzt: Verbraucherschützer schlagen Alarm

Elektronische Patientenakte: Bekannt, aber unbeliebt

Fast alle gesetzlich Versicherten kennen sie, doch die meisten wollen nichts mit ihr zu tun haben: Die elektronische Patientenakte (ePA) wird ein Jahr nach ihrer Einführung weiterhin kaum genutzt. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) verwalten satte 71 Prozent der Versicherten ihre Akte nicht aktiv. Noch dramatischer: Neun Prozent haben sogar aktiv widersprochen oder ihre ePA bereits löschen lassen.

Verbraucherschützer üben scharfe Kritik

„Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen. Das ist wenig überraschend, denn zentrale Funktionen, wie digitale Impf- oder Bonushefte, fehlen weiterhin“, erklärt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Die Verbraucherschützer schlagen Alarm und fordern dringende Verbesserungen.

Gründe für die mangelnde Nutzung

Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, warum die ePA so wenig Anklang findet:

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  • Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) haben sich schlicht noch nicht mit der Akte beschäftigt
  • Jeder Dritte (33 Prozent) sieht keinen persönlichen Nutzen
  • Jeweils 13 Prozent nennen Datenschutz- und Datensicherheitsbedenken als Hauptgrund

Die Verbraucher wünschen sich bei der ePA insbesondere:

  1. Genaue Steuerungsmöglichkeiten, wer welche Daten sehen darf (68 Prozent)
  2. Digitale Untersuchungshefte (66 Prozent)
  3. Hinweise auf Wechselwirkungen von Medikamenten (64 Prozent)
  4. Erinnerungen an fehlende Impfungen (64 Prozent)

Ärztliche Kritik am komplizierten System

Auch von ärztlicher Seite kommt deutliche Kritik. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, findet klare Worte: „Die allerwenigsten Patientinnen und Patienten haben sich ihre ePA einmal angeschaut. Das liegt allen vor allem an dem absurd komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen irgendwann frustriert aufgeben lässt.“

Im Praxisalltag hapert es gewaltig. Beier kritisiert weiter: „Derzeit ist sie vor allem eine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen können.“ Es fehle eine Volltextsuche, und Dokumente seien mühsam zu durchforsten.

Bundesgesundheitsministerin will gegensteuern

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) hat nun ambitionierte Ziele formuliert. Bis 2030 sollen 20 Millionen Menschen die ePA aktiv nutzen – aktuell sind es gerade einmal vier Millionen. „Wir wollen die aktive Nutzung der ePA für alle haben“, erklärt die Ministerin. Die elektronische Patientenakte soll zum „zentralen Dreh- und Angelpunkt“ eines neuen Primärarztsystems werden.

Bis Ende März soll ein Gesetzentwurf für digitale Versorgung vorgelegt werden, bis Sommer folgt einer für das neue Primärarztsystem. Die Pläne der Bundesregierung zielen darauf ab, die Digitalisierung im Gesundheitswesen entscheidend voranzutreiben und die Akzeptanz der elektronischen Patientenakte in der Bevölkerung zu erhöhen.

Die Herausforderungen bleiben jedoch enorm: Neben technischen Verbesserungen müssen vor allem die Bedenken der Verbraucher ernst genommen und praktische Lösungen für den Alltag von Patienten und Ärzten gefunden werden. Die elektronische Patientenakte steht damit vor einem entscheidenden Wendepunkt in ihrer noch jungen Geschichte.

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