KBV-Chef fordert Streichung von Zusatzleistungen wie Zahnreinigung und Homöopathie
KBV-Chef will Zusatzleistungen wie Zahnreinigung streichen

KBV-Chef will freiwillige Kassenleistungen komplett abschaffen

Andreas Gassen (63), der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), fordert eine radikale Kürzung im Gesundheitswesen. Sein Vorschlag: Die komplette Abschaffung aller freiwilligen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Dazu gehören sowohl professionelle Zahnreinigungen als auch umstrittene alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie.

Finanzielle Engpässe zwingen zum Handeln

Hintergrund dieser drastischen Forderung ist eine alarmierende Prognose für das Jahr 2027. Den gesetzlichen Krankenkassen droht dann ein Finanzloch von schätzungsweise 12 Milliarden Euro. Ohne Gegenmaßnahmen könnte dies für Millionen Versicherte zu erheblichen Beitragserhöhungen führen. Gassen argumentiert im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland deutlich: „Wenn nicht genug Geld für den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung da ist und gespart werden muss, sind Nice-to-have-Leistungen als Erstes zu streichen.“

Was sind freiwillige Leistungen?

Freiwillige Leistungen gehen über den gesetzlich festgelegten Standard der Krankenversicherung hinaus. Derzeit bieten verschiedene Krankenkassen unterschiedliche Extras an, darunter:

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  • Bonusprogramme mit Prämien von mehreren Hundert Euro pro Jahr für gesundheitsbewusstes Verhalten
  • Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung, die ein- oder zweimal jährlich übernommen werden
  • Erstattungen für Gesundheitskurse wie Rückenschule, Yoga oder Stressbewältigung bis zu 1200 Euro jährlich
  • Bezuschussung alternativer Behandlungen wie Homöopathie, Osteopathie oder Traditioneller Chinesischer Medizin

Politische Debatte um Homöopathie-Finanzierung

Besonders die Finanzierung homöopathischer Behandlungen durch manche Krankenkassen steht seit längerem in der politischen Kritik. Während Befürworter auf die Wahlfreiheit der Patienten verweisen, kritisieren Gegner die fehlende wissenschaftliche Evidenz für viele dieser Methoden. Die uneinheitliche Praxis – manche Kassen zahlen, andere nicht – führt zu Ungleichbehandlungen unter Versicherten.

Gassens Vorstoß trifft somit auf ein bereits kontrovers diskutiertes Thema. Seine Position als KBV-Chef gibt der Debatte zusätzliches Gewicht, da die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Interessen der Vertragsärzte gegenüber den Krankenkassen und der Politik vertritt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich seine radikale Forderung in konkreten politischen Entscheidungen niederschlagen wird.

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