Klimawandel treibt Zeckenaktivität: Rekordzahl an FSME-Hirnhautentzündungen erwartet
Klimawandel: Zecken verursachen mehr Hirnhautentzündungen

Klimakrise verlängert Zeckensaison: Experten warnen vor Rekordzahlen bei Hirnhautentzündungen

Die anhaltend milden Winter infolge des Klimawandels sorgen dafür, dass Zecken in Deutschland kaum noch eine Ruhepause einlegen müssen. Fachleute aus der Parasitologie und Mikrobiologie schlagen Alarm: Sie erwarten für das vergangene Jahr neue Höchststände bei der Zahl der durch FSME-Viren verursachten Hirnhautentzündungen.

Parasitologin warnt vor weiter steigenden Infektionszahlen

Im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart äußerte die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim ernste Bedenken. „Es ist mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen“, warnte die Expertin. Die Auswertungen der Fallzahlen für 2025 seien zwar noch nicht abgeschlossen, doch zeichne sich bereits ab, dass die bereits sehr hohen Zahlen aus dem Jahr 2024 übertroffen werden könnten.

Zeckenaktivität hat sich dramatisch verändert

Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München bestätigte diese Einschätzung. „Das Risiko einer Infektion hat sich dramatisch erhöht“, erklärte der Leiter des nationalen Konsiliarlabors für FSME. Die Zecken seien inzwischen ganzjährig aktiv und eroberten selbst kühle Berglagen. Dadurch verbreite sich das FSME-Virus mittlerweile in ganz Deutschland.

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Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken nehme auch die Zahl der Menschen zu, die an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung erkrankten. Bislang wurde der höchste Wert mit 704 FSME-Erkrankungen im Jahr 2020 gemessen. „Aktuell haben wir 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025“, sagte Dobler. Hinzu kämen etwa 100 Verdachtsfälle, die gerade geprüft würden.

Klimawandel als Hauptursache für die Entwicklung

Die Experten sehen im Klimawandel die wesentliche Ursache für die steigenden Infektionszahlen. „Zecken gehen nicht mehr in die Winterpause, weil die Temperaturen einfach zu hoch sind“, erläuterte Mackenstedt. Zudem überlebten viel mehr Zecken die im Mittel seltener werdenden Frosttage. Diese veränderte klimatische Situation ermögliche den Parasiten eine nahezu ununterbrochene Aktivität.

Ganz Deutschland gilt inzwischen als Risikogebiet

Nach Angaben der Fachleute stehen Baden-Württemberg und Bayern mit etwa 85 Prozent der Krankheitsmeldungen weiter an der Spitze der FSME-Risikogebiete. Allerdings sei ein ansteigender Trend auf niedrigem Niveau in allen Bundesländern zu beobachten. „Wir müssen davon ausgehen, dass ganz Deutschland inzwischen ein FSME-Risikogebiet ist“, betonte Mackenstedt.

Die Experten fordern daher eine verstärkte Aufklärung über Schutzmaßnahmen und Impfmöglichkeiten. Angesichts der ganzjährigen Zeckenaktivität und der sich ausbreitenden Risikogebiete gewinnen präventive Maßnahmen eine immer größere Bedeutung für die öffentliche Gesundheit.

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