Streit um Krankenfahrten: Ein Glück, dass Opa das nicht mehr miterleben muss
Krankenfahrten-Streit: Opa wäre heute entsetzt

Streit um Krankenfahrten: Ein Glück, dass Opa das nicht mehr miterleben muss

Uckermark • Lesedauer: 3 min

Opa Werner starb, als unsere Redakteurin Ende 20 war. Bis heute vermisst sie ihren Großvater zutiefst. Die Erinnerungen an seine letzten Jahre sind geprägt von schwerer Krankheit, aber auch von einem besonderen Menschen, der ihm den Weg erleichterte.

Die Diagnose, die alles veränderte

Mein Opa mütterlicherseits war Mitte 70, als die Ärzte bei ihm Nierenkrebs diagnostizierten. Plötzlich verwandelte sich der fleißige Sägewerk-Arbeiter mit Haus, Hof und Viehzeug in einen schwerstkranken Mann. Die folgenden Jahre waren ein einziger Kampf gegen die Krankheit und ihre Folgen.

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Erst kamen Chemotherapien und Operationen, dann die dreimal wöchentliche Dialyse. Wir konnten förmlich zusehen, wie er sich unter schlimmsten Schmerzen und mit furchtbarem Leiden langsam aus dem Leben verabschiedete. Kotzübel, schlapp und ständig durstig – so erlebte ich meinen Opa in dieser Zeit.

Die Stütze in schweren Zeiten

Ein Fels in der Brandung war damals meine Oma, die sich entgegen aller Ratschläge dafür entschied, ihn daheim zu pflegen. Mit Unterstützung von meinem Onkel und seiner Frau ermöglichte sie ihrem Mann noch zwei wertvolle Jahre im Kreise seiner Familie.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer war dreimal die Woche sein Taxifahrer. Ich glaube, er hieß Heinz oder Helmut, irgendwas mit H – es ist ja schon so lange her. Was mir jedoch unvergesslich in Erinnerung geblieben ist, war die Sanftmut dieses Chauffeurs und dessen unerschütterlicher Optimismus.

Die fürsorgliche Begleitung

Egal, wie schlecht es meinem Großvater morgens bei der Abholung ins Krankenhaus ging, H. gab stets sein Bestes, ihn aufzumuntern. Er bemutterte ihn während der ganzen Fahrt, hielt an, wenn Opa aufgrund von Übelkeit brechen musste oder schnell frische Luft schnappen wollte.

Mein Großvater vertrug die Dialyse nur schlecht. Die fast einstündigen Touren in die Klinik schlauchten ihn sehr. Ohne diesen einfühlsamen Fahrer wären diese Fahrten noch qualvoller gewesen.

Der aktuelle Streit um Krankenfahrten

Wieder eingefallen ist mir das Ganze, als ich in der Presse vom aktuellen Streit der Krankenkassen mit der Taxibranche las. Patienten in Brandenburg werden zwar noch auf ärztliche Verordnung zu ambulanten Chemotherapien, Bestrahlungen und anderen Behandlungen gefahren, jedoch gab es auch hier intensive und schwierige Verhandlungen über die Vertragsbedingungen.

In Mecklenburg-Vorpommern ist der Disput um die Transportscheine indes eskaliert. Weil sich Taxigewerbe und Krankenkassen nicht einigen konnten, soll es dort ab April massive und besorgniserregende Einschränkungen bei der Beförderung von Patienten geben.

Die menschliche Dimension des Konflikts

Unvorstellbar, welche Sorgen das den Betroffenen und ihren Angehörigen beschert. Nicht genug damit, dass sie um ihr Leben bangen müssen, jetzt kommen auch noch finanzielle Ängste und organisatorische Probleme hinzu.

Meine Oma hat nach Opas Tod oft gesagt: „Wie gut, dass mein Werner das nicht mehr miterleben muss“ – wenn sie die Welt nicht mehr verstand. Ende März 2026 wäre dieser Spruch wahrscheinlich wieder gefallen.

Ein Armutszeugnis für das Gesundheitssystem

Ich sage nur: Was für ein Armutszeugnis für Deutschland! Während die Politikprominenz in ein paar Etagen höher sogar eigene Chauffeure hat – darüber diskutiert doch niemand ernsthaft. Ebenso wenig wie darüber, dass das sogenannte „Sondervermögen“ verschleudert wird.

Oder dass die Top-10-Kassenchefs im Jahr 2025 jeweils Gesamtbezüge von über 280.000 Euro, fünf davon sogar von über 300.000 Euro erhielten. Mein Opa bekam damals 800 D-Mark. Diese Diskrepanz zwischen den Bezügen der Verantwortlichen und der Realität der Patienten ist erschütternd.

Die Krankenfahrten sind für viele schwerkranke Menschen nicht nur eine Transportmöglichkeit, sondern oft die letzte Verbindung zur medizinischen Versorgung. Wenn diese aus finanziellen oder bürokratischen Gründen wegbrechen, verlieren Menschen ihre Lebensgrundlage. Mein Opa hatte Glück mit seinem Fahrer – heute müssen viele Patienten um diese grundlegende Versorgung bangen.

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