Neues Leben durch Lungentransplantation: Zwei Patienten berichten vom schweren Weg
Wenn die eigene Lunge versagt, kann nur ein Spenderorgan das Leben retten. In Templin berichten zwei Betroffene über den harten Weg zur Transplantation und den Kampf zurück in einen lebenswerten Alltag. Prof. Dr. Olaf Burkhardt, Pneumologe in Templin, begleitet Patienten wie German Schulz und Guido Petermann auf diesem beschwerlichen Pfad.
Prominente Beispiele zeigen die Dringlichkeit
Auch in der Öffentlichkeit bleiben Lungenerkrankungen nicht verborgen. Schlagersänger Roland Kaiser erhielt wegen COPD eine neue Lunge, Kronprinsessin Mette-Marit von Norwegen leidet an Lungenfibrose, und Schauspielerin Miriam Maertens bekam ein Spenderorgan aufgrund von Mukoviszidose. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sind von COPD betroffen, etwa 180.000 benötigen kontinuierlich Sauerstoff. Eine Lungentransplantation ist jedoch kein einfacher Weg, betont Prof. Burkhardt, aber sie lohne sich, wenn alle anderen Therapien versagen.
German Schulz: 17 Jahre an der Sauerstoffflasche
„Das war kein Leben mehr“, erzählt German Schulz aus Storkow. 17 Jahre hing sein Dasein an einer zwölf Meter langen Sauerstoffleitung. Oft landete er in Kliniken, zog sich immer mehr zurück. „Ich hatte mich schon fast aufgegeben“, gesteht der 64-Jährige. Die nächtliche Atemnot beschreibt er als unvorstellbare Qual. Zehn Jahre wartete er auf die Aufnahme in die Transplantationsliste, ein weiteres Jahr auf ein passendes Spenderorgan. Am 10. August 2024 erhielt er in Berlin einen neuen Lungenflügel. „Mir wurde ein neues Leben geschenkt“, sagt Schulz heute. Er kann sich wieder frei bewegen und schläft nachts endlich durch.
Guido Petermann: Vom Bauunternehmer zum Transplantationspatienten
Guido Petermann aus Zehdenick spielt heute mit zwei neuen Lungenflügeln viermal wöchentlich Tischtennis und trainiert regelmäßig Kraft. „Ich genieße mein Leben“, betont der 57-Jährige. Doch der Weg dahin war steinig. Anfangs ignorierte er die Atemnot, bis sein Körper 2016 beim Besteigen eines Dachs versagte. 2018 benötigte er bereits Sauerstoff, war sterbenskrank. Sein Facharzt überwies ihn zur Medizinischen Hochschule Hannover, wo 2024 insgesamt 103 Lungentransplantationen durchgeführt wurden. Deutschlandweit waren es 311, während 314 Patienten auf der Warteliste standen.
Der harte Kampf um die Transplantationsliste
„Um die Einschreibung in die Liste muss man hart kämpfen“, berichtet Petermann. Jährlich durchläuft er umfangreiche Untersuchungen: Blutanalysen, Röntgen, Herzkatheter, Bronchoskopie. Ein Jahr rauchfrei reichte nicht aus, Risiken müssen minimiert werden. Siebenmal fuhr er nach Hannover, immer in Hoffnung auf die Liste. Beim achten Mal kam die Zusage. Dreimal wurde er mit Blaulicht in die Klinik gebracht, bis ein passendes Organ gefunden war. Am 10. September 2022 erhielt er zwei neue Lungenflügel.
Disziplin und Lebenswille nach der Operation
Bereits vier Tage nach der OP saß Petermann mit vier Drainageschläuchen auf dem Ergometer. Nach drei Wochen lief er am Rollator. „Nur 50 Prozent überleben die ersten drei Jahre. Es ist eine Tortur, auch nach der OP“, erklärt er. Heute muss er alle sechs Monate zur Nachsorge, nimmt Immunsuppressiva und achtet auf Infektionen. Prof. Burkhardt betont: „Der Weg zur neuen Lunge ist eine Tortur, und danach braucht es viel Disziplin.“
Appell für mehr Organspenden
Vielen Patienten bleibt eine Transplantation versagt, sei es aufgrund medizinischer Kontraindikationen oder des Mangels an Spenderorganen. German Schulz wirbt daher für die Registrierung als Organspender: „Man kann etwas bekommen und man kann etwas geben und viele Leute glücklich machen. Bei mir hat sich das ganze Dorf mit gefreut.“ Sein und Petermanns Geschichte zeigt, dass trotz aller Hürden ein neues Leben möglich ist – wenn der unbedingte Lebenswille und die nötige Selbstdisziplin vorhanden sind.



