Kinderarzt in U-Haft: Missbrauchsverdacht erschüttert Kliniken
Ein Kinderarzt der Havelland-Kliniken befindet sich seit November 2025 in Untersuchungshaft, nachdem gegen ihn der Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes während des Dienstes im Krankenhaus Rathenow westlich von Berlin erhoben wurde. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt in diesem schwerwiegenden Fall, der einen Zeitraum von etwa zehn Jahren umfasst und möglicherweise mehrere Opfer betrifft.
Landesweite Überprüfung von Kinderschutzkonzepten
Als unmittelbare Konsequenz dieser erschütternden Vorwürfe hat die Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg eine umfassende Initiative gestartet. Bis Ende Februar werden die Kinderschutzkonzepte aller Krankenhäuser im Bundesland gesammelt und durch eine speziell eingerichtete Arbeitsgruppe geprüft. Diese Prüfung soll fundierte Empfehlungen für verbesserte Schutzmechanismen in medizinischen Einrichtungen hervorbringen.
Havelland-Kliniken verstärken Schutzmaßnahmen
Die Havelland-Kliniken haben bereits im Januar angekündigt, ihre bestehenden Schutzsysteme grundlegend zu überarbeiten. Das bisherige Kinderschutzkonzept, das primär auf mögliche Gefährdungen durch Dritte ausgerichtet war, wird nun erweitert, um dem Schutz vor institutioneller Kindeswohlgefährdung innerhalb der Kliniken deutlich mehr Gewicht zu verleihen.
Babette Dietrich, Sprecherin der Havelland-Kliniken, betont: „Mit der Überarbeitung wird dem Aspekt des Schutzes vor institutioneller Kindeswohlgefährdung - also innerhalb der Kliniken - ein deutlich größeres Gewicht zukommen als bisher.“
Konkrete Veränderungen im Klinikalltag
Die Havelland-Kliniken haben bereits mehrere konkrete Maßnahmen umgesetzt:
- Das Kinderschutzkonzept ist ab sofort fester Bestandteil aller neuen Arbeitsverträge
- Beschäftigte mit regelmäßigem Kontakt zu minderjährigen Patienten müssen bei Einstellung ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, das künftig alle drei Jahre erneuert werden muss
- Das Vier-Augen-Prinzip bei Untersuchungen von Kindern wird verbindlich durchgesetzt
- Regelmäßige Belehrungen zum Vier-Augen-Prinzip werden dokumentiert
Externe Expertise und Qualitätssicherung
Zur Unterstützung dieser umfassenden Aufarbeitung hat das Klinikunternehmen den externen Experten Hans Leitner eingebunden, der früher die Kinderschutz-Fachstelle in Brandenburg leitete. In der kommenden Woche beginnen an beiden Klinikstandorten in Nauen und Rathenow umfangreiche Überprüfungen von Abläufen und Strukturen zur Qualitätssicherung.
Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, Schutzmechanismen verbindlicher und klarer im klinischen Alltag zu verankern und so das Vertrauen von Patienten und ihren Familien wiederherzustellen, das durch die Vorwürfe schwer erschüttert wurde.
Elterntelefon und Ermittlungsstand
Das am 14. Januar eingerichtete Elterntelefon wurde bislang von zwölf Familien genutzt und bleibt als dauerhaftes Angebot mit dreimal wöchentlichen Sprechzeiten bestehen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat mitgeteilt, dass dem Beschuldigten zur Last gelegt wird, am 2. November 2025 im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit ein Kind sexuell missbraucht zu haben.
Nach der Auswertung sichergestellter Daten gibt es Anhaltspunkte, dass der Arzt möglicherweise weitere Kinder missbraucht haben könnte. Als Haftgrund wurde Wiederholungsgefahr angeführt, wobei bis zu einer rechtmäßigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt. Die Untersuchungshaft, die in der Regel sechs Monate nicht überschreiten soll, besteht fort, während die Ermittlungsbehörde weitere Erkenntnisse aus etwa dreimonatigen Ermittlungen bisher nicht öffentlich gemacht hat.



