Zeckengefahr nimmt zu: RKI meldet neue FSME-Risikogebiete in Deutschland
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Gefahr durch Zeckenbisse erneut bestätigt und zwei weitere Regionen in Deutschland als Risikogebiete für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ausgewiesen. Betroffen sind der Landkreis Nordsachsen in Sachsen sowie der Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Mit dieser Neubewertung steigt die Gesamtzahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland auf nunmehr 185 Kreise und kreisfreie Städte.
Besorgniserregende Fallzahlen: Dritthöchster Wert seit Beginn der Aufzeichnungen
Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen eine alarmierende Entwicklung. Im Jahr 2025 wurden bundesweit 693 FSME-Erkrankungen registriert. Diese Zahl markiert den dritthöchsten Wert seit Einführung der systematischen Datenerfassung im Jahr 2001. Besonders bedenklich: 98 Prozent der Erkrankten waren entweder gar nicht oder nur unzureichend gegen FSME geimpft. Diese deutliche Mehrheit unterstreicht die immense Bedeutung eines vollständigen Impfschutzes.
Übertragungswege und Krankheitsverlauf: Von harmlos bis lebensbedrohlich
Die FSME-Viren werden hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen. In seltenen Ausnahmefällen kann eine Infektion auch über kontaminierte Lebensmittel erfolgen, beispielsweise durch den Verzehr von infizierter Rohmilch von Ziegen oder Schafen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet hingegen nicht statt.
Viele Infektionen verlaufen glücklicherweise unbemerkt. Ein Großteil der Infizierten entwickelt keinerlei Symptome oder zeigt lediglich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei einem kleinen, aber signifikanten Prozentsatz der Patienten kann es jedoch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Diese umfassen Entzündungen der Hirnhäute (Meningitis), des Gehirns selbst (Enzephalitis) oder des Rückenmarks (Myelitis). In solchen Fällen verschlimmern sich die Symptome dramatisch und können hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und neurologische Ausfälle beinhalten.
Normalerweise versterben etwa ein Prozent der Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf an den Folgen der FSME. Erfreulicherweise gab es im Jahr 2025 keine nachgewiesenen Todesfälle in Deutschland. Eine wirksame und gut verträgliche Impfung steht zur Verfügung und bietet zuverlässigen Schutz.
Geografische Verteilung: Schwerpunkt im Süden, aber Vorsicht überall geboten
Das höchste Infektionsrisiko besteht traditionell in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, Südost-Thüringen, Sachsen, Südost-Brandenburg und Ost-Sachsen-Anhalt. Darüber hinaus existieren einzelne Risikogebiete in Mittelhessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Das Robert Koch-Institut empfiehlt jedoch ausdrücklich, überall in Deutschland Vorsicht walten zu lassen. Experten weisen darauf hin, dass vereinzelte FSME-Fälle auch in Bundesländern ohne offiziell ausgewiesene Risikogebiete auftreten können. Besonders während der Zeckensaison, die typischerweise von Frühjahr bis Herbst andauert, sollte bei entsprechenden Symptomen stets an eine durch Zecken übertragene Erkrankung gedacht werden.
Die kontinuierliche Ausweitung der Risikogebiete und die hohe Zahl an Erkrankungen bei Ungeimpften unterstreichen die anhaltende Relevanz dieser Gesundheitsgefahr. Die Impfung bleibt die wichtigste und wirksamste Präventionsmaßnahme gegen die potenziell gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis.



