Neue Studie: Einzelnes Verbot blockiert rettende Organspenden in Deutschland
Studie: Verbot blockiert Organspenden - Wartelisten könnten halbiert werden

Neue Studie enthüllt: Einzelnes Verbot blockiert rettende Organspenden in Deutschland

In Deutschland sterben täglich etwa zwei Menschen, während sie auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten. Derzeit ist die Organspende nach irreversiblem Hirnfunktionsausfall die einzige rechtlich zulässige Form – auch mit einem gültigen Organspendeausweis. Doch was wäre, wenn eine Spende auch nach Herz-Kreislaufstillstand möglich wäre, wie in vielen europäischen Nachbarländern? Dr. Friedrich von Samson-Himmelstjerna, Nierenexperte in Kiel, zeigt in einer neuen Studie auf, wie stark die Spenderzahlen in Deutschland steigen könnten, wenn die HKS-Spende erlaubt würde.

Niedrige Zahlen und lange Wartelisten belasten das System

In Deutschland ist die Organspende nach dem Tod laut Gesetz generell nur bei einem irreversiblen Hirnfunktionsausfall erlaubt. Das Problem: Zwar sterben in Deutschland jedes Jahr rund eine Million Menschen, doch nur ein kleiner Teil kommt überhaupt für eine Organspende infrage – selbst wenn ein gültiger Organspendeausweis vorliegt. „Für mich ist unverständlich, warum ich, der einen Organspendeausweis hat, nur in einer ganz unwahrscheinlichen Situation am Ende meines Lebens etwas Gutes tun darf“, sagt der Experte Dr. Friedrich von Samson-Himmelstjerna.

Die Folge sind extrem niedrige Spenderzahlen. Im vergangenen Jahr lag die Rate bei lediglich 11,8 Spendern pro eine Million Menschen. Zum Vergleich: In Spanien sind es mehr als 50, in vielen europäischen Nachbarländern bewegen sich die Zahlen zwischen 20 und 35. In der Nierenmedizin erlebt von Samson-Himmelstjerna täglich, wie Menschen bis zu elf Jahre auf eine Transplantation warten müssen. In anderen Ländern dauert es oft nur zwei bis drei Jahre. „Das macht für ein Menschenleben enorm viel aus“, betont der Mediziner.

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Patienten sterben ohne HKS-Option auf der Warteliste

Während die Dialyse bei Nierenversagen eine Überbrückung bietet, sterben Herz-, Lungen- oder Leberpatienten teilweise auf der Warteliste, bevor ein passendes Organ verfügbar wird. Viele europäische Länder setzen deshalb zusätzlich auf die HKS-Organspende, wenn ein Patient oder seine Angehörigen die Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen wünschen. Dabei tritt zunächst ein Herzstillstand ein. Nach einer festgelegten Wartezeit, der sogenannten „No Touch Time“ von fünf bis zwanzig Minuten, wird bei Spendewunsch die Organentnahme eingeleitet.

„Niemandem werden die Organe gegen seinen Wunsch entnommen“, betont von Samson-Himmelstjerna nachdrücklich. „Als Ärzte und Ärztinnen sind wir immer für die Patienten und Patientinnen da. Unsere wichtigste Aufgabe ist, das zu tun, was für diese Menschen am besten ist.“

Studie simuliert Szenarien für Deutschland mit beeindruckenden Ergebnissen

Gemeinsam mit Kollegen untersuchte der Experte in neun europäischen Ländern, wie stark die Einführung der Spende nach Herz-Kreislaufstillstand die Spenderzahlen veränderte. Das Forschungsteam simulierte anschließend, wie sich diese Entwicklungen auf Deutschland ausgewirkt hätten.

Die Ergebnisse sind beeindruckend:

  • In acht von neun untersuchten Szenarien stiegen die Spendenzahlen deutlich
  • Besonders positiv fiel das schweizerische Modell aus
  • Dort hätten sich Nierentransplantationen um 60 Prozent erhöht
  • Lebertransplantationen wären um 30 Prozent gestiegen

„Entscheidend sind begleitende Maßnahmen wie Schulungen, bessere Strukturen in Kliniken und umfassende Aufklärung“, erklärt von Samson-Himmelstjerna. „Wenn wir die kontrollierte Spende nach Herz-Kreislaufstillstand in Deutschland so gut umsetzen würden wie in der Schweiz, könnten sich unsere Wartelisten mittelfristig etwa halbieren.“

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Hoffnung auf politische Bewegung und Anpassung des Transplantationsgesetzes

Durch seine Studie hofft von Samson-Himmelstjerna auf Bewegung – sowohl politisch als auch innerhalb der Ärzteschaft. Er wünscht sich eine dringende Anpassung des Transplantationsgesetzes. „Wer Organspender sein möchte, der sollte das auch dürfen. Die Spende nach kontrolliertem Herz-Kreislaufstillstand einzuführen, mit entsprechenden Begleitmaßnahmen, könnte einen großen Beitrag dazu leisten, dass Menschen schneller Transplantationen bekommen und weniger Menschen sterben“, so der Mediziner abschließend.

Die Studie zeigt deutlich, dass eine rechtliche Anpassung nicht nur theoretisch möglich wäre, sondern praktisch messbare Verbesserungen für tausende Patienten bringen könnte. Die Diskussion um die Organspende in Deutschland erhält damit neue, wissenschaftlich fundierte Impulse.