Wal in Nordsee freigelassen: Heftige Kritik an privater Initiative
Wal in Nordsee freigelassen: Kritik an privater Initiative

Die Freilassung des Buckelwals in der Nordsee hat heftige Kritik von Seiten der privaten Walinitiative ausgelöst. „Es ist eine unfassbare Frechheit, was hier abgeht“, erklärte Tierärztin Kirsten Tönnies in einem Instagram-Post. Sie beklagte, dass Tierärzte keinen Zugang zu dem Tier erhalten hätten und dass es keinerlei gesicherte Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort des Wals gebe.

Unstimmigkeiten innerhalb des Rettungsteams

Bereits vor der Freilassung hatte es Spannungen innerhalb der privaten Initiative gegeben. Tönnies gab an, dass sie in den letzten Tagen nicht mehr zu dem Wal gelassen worden sei. Auch der Schriftsteller Sergio Bambarén äußerte sich verärgert: „Ich bin sehr wütend und fühle mich getäuscht“, schrieb er auf Instagram. Ihm sei aus gesundheitlichen Gründen die Mitreise auf der Barge verweigert worden, obwohl das Team ihn ausdrücklich dabei haben wollte.

Ungewisser Verbleib des Wals

Nach der Freilassung ist der Aufenthaltsort des Buckelwals weiterhin unklar. Zwar wurde das Tier mit einem Sender ausgestattet, doch ob dieser funktioniert, ist fraglich. „Die Peildaten sind bei der Initiative mehrfach angefordert worden, bislang haben wir nichts“, teilte Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, mit. Umweltminister Till Backhaus zeigte sich verärgert: „Was mich wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können.“ Auch ein Videosystem auf der Barge sei nicht installiert worden.

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Experten bezweifeln Überlebenschancen

Viele Fachleute zweifeln an, ob der Transport des Buckelwals in die Nordsee im Sinne des Tieres war. „Am Ende dieses umstrittenen Rettungsversuchs findet sich ein todkrankes Wildtier lediglich an einem anderen Ort“, sagte Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace. Der Wal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden. Seine Überlebenschancen schätzen Experten als minimal ein. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation betonte: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt.“

Kritik an mangelnder Transparenz

Die fehlenden Senderdaten und die unklare Situation stoßen auf breite Kritik. Walforscher Fabian Ritter bezeichnete das Ausbleiben der Daten als „Katastrophe“. Wenn es nicht gelinge, den Wal zu verfolgen, könne die Mission weder als erfolgreich noch als fehlgeschlagen eingeordnet werden. Greenpeace forderte die Veröffentlichung der Trackingdaten, um Transparenz zu schaffen.

Barge-Video zeigt umstrittene Methode

Auf einem Video der Walinitiative ist zu sehen, wie Helfer versuchten, den Wal mit einem Seil an der Fluke zu drehen. Laut der Nachrichtenplattform News5 habe der Kapitän das Kommando gegeben, den Wal auf diese Weise zu befreien – der Versuch scheiterte jedoch. Meeresbiologe Pedro Baranda sprach von einer „unorthodoxen Methode“. Umweltminister Backhaus hingegen behauptet, der Wal sei von selbst hinausgeschwommen.

Die Debatte um die Rettungsaktion reißt nicht ab. Während die private Initiative das Vorgehen verteidigt, fordern Experten und Tierschützer mehr Zurückhaltung und bessere Schutzmaßnahmen für Meeressäuger. Derweil bleibt ungewiss, ob der Buckelwal die Freilassung überleben wird.

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