WHO warnt vor Tabak-Krise in Europa: E-Zigaretten bei Jugendlichen besonders besorgniserregend
WHO: Europa in Tabak-Krise - E-Zigaretten bei Jugendlichen

WHO schlägt Alarm: Europa droht Tabak-Krise bis 2030

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine deutliche Warnung ausgesprochen: Die europäische Region könnte auch im Jahr 2030 weiterhin die weltweit höchste Tabaknutzungsrate aufweisen. Laut aktuellen Analysen verläuft der Kampf gegen den Tabakkonsum in den 53 Ländern Europas und Zentralasiens deutlich zu langsam und mit bedenklichen Rückschlägen.

Besorgniserregende Trends bei Jugendlichen und Frauen

Ein besonders alarmierendes Signal ist die zunehmende Verbreitung von E-Zigaretten unter Jugendlichen. In der Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen liegt die durchschnittliche Nutzungsrate in Europa und Zentralasien bei 14,3 Prozent – dem weltweit höchsten Wert. Dabei zeigen sich kaum geschlechtsspezifische Unterschiede, was die Problematik zusätzlich verschärft.

Bei Frauen und Mädchen zeichnet sich ein besonders dramatisches Bild ab. Die europäische Region ist die einzige WHO-Region, die das globale Ziel einer 30-prozentigen Reduzierung des Tabakkonsums bei Frauen bis 2025 voraussichtlich deutlich verfehlen wird. Statt der angestrebten 30 Prozent wird nur ein Rückgang von etwa 12 Prozent zwischen 2010 und 2025 erwartet.

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Mangelhafte politische Maßnahmen und Regulierungen

Die WHO kritisiert in ihren zehn neuen Faktenblättern deutliche Defizite bei der Umsetzung wirksamer Maßnahmen gegen Tabakkonsum. Nur 18 der 53 Länder haben umfassende Rauchverbote in allen öffentlichen Räumen eingeführt. Offizielle Beratungshotlines und kostenlose Entwöhnungsprogramme stehen lediglich in zwölf Staaten zur Verfügung.

Besonders problematisch ist die zunehmende Erschwinglichkeit von Zigaretten: In 19 Ländern sind Tabakprodukte heute preiswerter als noch im Jahr 2014. Gleichzeitig existieren umfassende Werbeverbote nur in 13 Staaten der Region.

Gesundheitsfolgen und dringender Handlungsbedarf

Der Tabakkonsum verursacht in der europäischen Region bereits heute jährlich mehr als 1,1 Millionen Todesfälle. WHO-Europa-Direktor Hans Henri P. Kluge betonte in einer Pressemitteilung die Dringlichkeit schnelleren Handelns. Priorität müssten der Schutz junger Menschen vor Nikotinabhängigkeit, die Abwehr von Einflussnahme der Tabakindustrie sowie eine konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln haben.

Die WHO fordert die Mitgliedstaaten auf, bestehende Regulierungen auch auf neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten auszuweiten und die Durchsetzung der Tabakkontrollmaßnahmen deutlich zu verstärken. Ohne entschlossenes Handeln droht Europa seinen traurigen Status als Region mit der weltweit höchsten Tabaknutzung auch über 2030 hinaus zu behalten.

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