WHO-Direktor fordert drastische Tabaksteuererhöhung in Deutschland
Die Diskussion um die Tabakbesteuerung in Deutschland nimmt an Schärfe zu. Während Bundespolitiker aktuell eine Anhebung der Tabakabgabe um zwei Euro pro Päckchen prüfen, hält der WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, Rüdiger Krech, diese Pläne für "auffallend unambitioniert". In einem exklusiven Interview mit Marco Evers vom 16. Februar 2026 stellt der Experte klar: "Eine Schachtel Zigaretten müsste eigentlich 23 Euro kosten, um wirklich effektiv zu sein."
Kritik an politischen Plänen
Die geplante moderate Erhöhung der Tabaksteuer stößt bei Gesundheitsexperten auf deutliche Kritik. Rüdiger Krech betont, dass solche kleinen Anpassungen nicht ausreichen würden, um das Rauchen wirksam einzudämmen. "Wir wissen genau, was wir tun müssen, um dieses gravierende Gesundheitsproblem zu beseitigen", so der WHO-Direktor. Die aktuelle politische Diskussion verfehle jedoch die notwendige Dimension.
Die Bundesregierung steht damit vor einem Dilemma: Einerseits soll die Tabaksteuer erhöht werden, um die Gesundheitskosten zu decken und Raucher zum Aufhören zu motivieren. Andererseits fürchten Politiker mögliche negative Reaktionen aus der Bevölkerung und wirtschaftliche Auswirkungen.
Gefahr durch neue Tabakprodukte
Ein besonderes Augenmerk legt Krech auf die Strategien der großen Zigarettenkonzerne. "Die Industrie entwickelt ständig neue Produkte, die besonders junge Menschen ansprechen sollen", warnt der Gesundheitsexperte. Diese Innovationen im Tabakbereich stellten eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, da sie oft als weniger schädlich vermarktet würden, obwohl sie ähnliche Risiken bergen.
Die Tabakindustrie habe in den letzten Jahren erhebliche Ressourcen in die Entwicklung alternativer Nikotinprodukte investiert. Diese würden häufig mit modernem Design und technologischen Features beworben, um eine neue Generation von Konsumenten anzusprechen.
Internationale Vergleiche und Forderungen
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland bei der Tabakbesteuerung hinter anderen Industrienationen zurückbleibt. Während einige Länder bereits drastische Preiserhöhungen umgesetzt haben, bewegen sich die deutschen Pläne im moderaten Bereich. Gesundheitsexperten fordern daher eine grundlegende Neuausrichtung der Tabakpolitik.
"Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig", betont Krech. "Je höher der Preis für Tabakprodukte, desto stärker sinkt der Konsum – besonders unter Jugendlichen und Menschen mit geringerem Einkommen." Diese Bevölkerungsgruppen seien besonders anfällig für die gesundheitlichen Folgen des Rauchens.
Die Debatte um die Tabaksteuer wird in den kommenden Monaten weiter an Fahrt aufnehmen. Während die Politik nach praktikablen Lösungen sucht, drängen Gesundheitsorganisationen auf entschlosseneres Handeln. Die Frage, ob die geplanten zwei Euro Erhöhung ausreichen oder ob tatsächlich der von der WHO geforderte Preis von 23 Euro pro Schachtel notwendig wäre, bleibt vorerst offen.



