Dauerstress als biologisches Herzrisiko bei Frauen: Kardiologin warnt vor Vernachlässigung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die häufigste Todesursache bei Frauen dar, doch werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung oft fälschlicherweise als „Männerkrankheit“ eingestuft. Diese Fehleinschätzung kann schwerwiegende Folgen haben, wie die renommierte Kardiologin Prof. Dr. Carolin Lerchenmüller betont. Sie warnt eindringlich vor der anhaltenden Vernachlässigung der weiblichen Herzgesundheit im medizinischen System und in der Gesellschaft.
Spezifische Risikofaktoren für Frauen
Neben klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten oder Übergewicht existieren bei Frauen spezifische Gefahren, die das Herz-Kreislauf-System besonders belasten. Dauerstress spielt hier eine zentrale Rolle, da er biologische Prozesse auslösen kann, die langfristig das Herz schädigen. Stresshormone wie Cortisol können Entzündungen fördern, den Blutdruck erhöhen und die Blutgefäße schädigen, was das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle signifikant steigert.
Bestimmte Lebensphasen wie Schwangerschaft, Menopause oder hormonelle Umstellungen verstärken diese Effekte zusätzlich. In diesen Phasen sind Frauen besonders anfällig für kardiovaskuläre Probleme, die oft nicht ausreichend erkannt oder behandelt werden. Die Symptome bei Frauen können zudem atypisch sein, was zu Fehldiagnosen oder verspäteten Behandlungen führt.
Notwendige Veränderungen im Gesundheitswesen
Prof. Dr. Lerchenmüller fordert dringend Anpassungen im Gesundheitswesen, um die weibliche Herzgesundheit besser zu schützen. Dazu gehören:
- Gezielte Aufklärungskampagnen, die über die spezifischen Risiken und Symptome bei Frauen informieren.
- Verbesserte Früherkennungsprogramme, die geschlechtsspezifische Faktoren berücksichtigen.
- Schulungen für medizinisches Personal, um die Diagnose und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen zu optimieren.
- Förderung von Präventionsmaßnahmen, die Stressmanagement und gesunde Lebensweisen in den Fokus rücken.
Die Expertin betont, dass eine ganzheitliche Herangehensweise nötig ist, die biologische, psychologische und soziale Aspekte integriert. Nur so können die hohen Sterblichkeitsraten bei Frauen gesenkt und die Lebensqualität nachhaltig verbessert werden.



