Deutschland startet revolutionäres Herz-Datenbank-Projekt
Beim dritten BILD-Herzgipfel in Berlin hat Prof. Stefan Blankenberg (57), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, ein wegweisendes Projekt für die Herzmedizin vorgestellt: Das Nationale Herz-Netz (NHN) soll ab Anfang 2027 eine umfassende Datenbank für Herzpatienten in Deutschland aufbauen.
Datenlücke bei Todesursache Nummer 1 schließen
„Wir wissen eigentlich gar nicht, welche Therapien, Medikamente und Operationen langfristig für den einzelnen Patienten wirken“, erklärt Blankenberg, der auch Direktor der Herzklinik am UKE Hamburg ist. Diese Wissenslücke ist besonders gravierend, da Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 339.000 Todesfällen pro Jahr die häufigste Todesursache in Deutschland darstellen.
Bisher wurden die Behandlungsergebnisse von Herzpatienten nicht systematisch erfasst. Das Nationale Herz-Netz soll diese Lücke schließen, indem es lückenlos über alle Krankenhäuser hinweg Behandlungsdaten und deren Auswirkungen dokumentiert.
Anonymisierte Datenerfassung mit Patienten-App
Für die betroffenen Patienten bringt das Projekt klare Vorteile:
- Die Datenerfassung erfolgt anonymisiert, sodass keine Personenbezüge hergestellt werden können
- Eine spezielle NHN-Patienten-App ermöglicht die Dokumentation auch nach dem Krankenhausaufenthalt
- „In der App können die Patienten alle Informationen zu ihrer Herzerkrankung dokumentieren“, erläutert Prof. Blankenberg
Das Ziel ist ambitioniert: „Wir wollen Millionen Herzpatienten besser behandeln. Langfristig können wir auch unnötige Herztode vermeiden und die Lebenserwartung deutlich verbessern.“
Deutschland will europäische Spitzenposition erreichen
Obwohl Deutschland mit rund 6.000 Euro pro Kopf die höchsten Gesundheitsausgaben in Europa hat, liegt die Lebenserwartung nur im europäischen Mittelfeld. Das Nationale Herz-Netz soll dies ändern.
„Wir möchten mit dem Nationalen Herz-Netz innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre an die Spitze der digitalen Datenverarbeitung in der europäischen Herzmedizin klettern“, so Blankenberg. Langfristig strebt Deutschland sogar die Führungsposition im geplanten European Data Space an, um die Zukunft der Herzmedizin aktiv mitzugestalten.
Pilotregionen und Projektstruktur
Die Datenerfassung soll Anfang 2027 zunächst in vier Regionen starten:
- Berlin
- Ruhrgebiet
- Sachsen-Anhalt
- Mecklenburg-Vorpommern
Träger des Projekts ist die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Operativ wird das Register über eine eigene NHN-gGmbH organisiert, die von einem wissenschaftlichen Gremium aus Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen gesteuert wird. Die Friede-Springer-Stiftung unterstützt das ambitionierte Vorhaben.
BILD-Herzgipfel als Diskussionsplattform
Beim BILD-Herzgipfel am 17. März 2026 kamen mehr als 100 Top-Experten aus Medizin, Forschung und Politik im Berliner Axel-Springer-Hochhaus zusammen. Neben der Vorstellung des Nationalen Herz-Netzes diskutierten die Teilnehmer über:
- Bluthochdruck und seine Auswirkungen auf den gesamten Körper
- Verbesserte Behandlungsmöglichkeiten bei Rhythmusstörungen
- Unterschätzte, vererbbare Herzkrankheiten wie HOCM
Auch Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) und Forschungsministerin Dorothee Bär (47, CSU) beteiligten sich an der Diskussion. Beide betonten in ihren Reden, dass die Herzmedizin in Deutschland weiter gestärkt werden muss, um jeden unnötigen Herztod zu vermeiden.
„Daten können Leben retten“, bringt Prof. Blankenberg die Mission des Nationalen Herz-Netzes auf den Punkt. Mit diesem Projekt könnte Deutschland einen wichtigen Schritt in der personalisierten Herzmedizin machen und langfristig tausende Leben retten.



