BILD-Herzgipfel 2026: Experten fordern Präventionsoffensive und KI-Einsatz
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben weltweit die führende Todesursache. Allein in Deutschland sterben jährlich mehr als 300.000 Menschen an den Folgen. Beim dritten großen BILD-Herzgipfel im Berliner Axel-Springer-Hochhaus trafen sich am 17. März 2026 rund 100 Experten aus Forschung, Politik und Gesundheitswesen, um über innovative Lösungen zu diskutieren. Der Gipfel stand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Ulf Landmesser vom Deutschen Herzzentrum der Charité.
Künstliche Intelligenz revolutioniert Herzmedizin
Prof. Ulf Landmesser betonte die entscheidende Rolle der Künstlichen Intelligenz für die Zukunft der Herzmedizin. „Wir müssen von verschiedenen Perspektiven aus arbeiten, damit Deutschland gesünder wird“, erklärte der Kardiologie-Professor. Besonders in der Prävention sei die KI ein Gamechanger. Studien zeigen, dass über 80 Prozent der Herzinfarkte an Stellen entstehen, wo vorher keine Engstellen sichtbar waren. KI-Systeme können in der Bildgebung frühzeitig Risiken erkennen, etwa Entzündungen in Blutgefäßen oder Frühstadien von Erkrankungen. „Solche Erkrankungen entstehen nicht in wenigen Tagen, sondern in vielen Jahren“, mahnte Landmesser und verwies auf Parodontitis als Risikofaktor.
Politische Forderungen: Daten nutzen und Prävention stärken
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) präsentierte alarmierende Zahlen: 2025 starben mehr als 340.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Daten sind ein Schatz, und wir sollten sie viel stärker nutzen, statt sie immer nur wegzusperren“, forderte sie. Zur besseren Vorsorge schlug sie vor, dass Apotheken künftig die „3 Bs“ messen sollen: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette. Ihre Kollegin Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, ergänzte: „Prävention ist Trumpf. Prävention rettet unser Leben.“ Sie kritisierte zugleich die Vernachlässigung der Frauengesundheit in der Herzmedizin.
Bluthochdruck: Der stille Killer unserer Zeit
Eine zentrale Diskussion drehte sich um Bluthochdruck als größtem Risikofaktor. Mareike Geier von AstraZeneca warnte: „Bluthochdruck ist der größte Risikofaktor unserer Zeit, die Folgen sind immens.“ Prof. Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung forderte einen Mentalitätswandel: „Jeder hohe Blutdruck kann ein Schlaganfall werden.“ Prof. Markus van der Giet von der Deutschen Hochdruckliga betonte, dass Werte über 140/90 mmHg sofortiges Handeln erfordern. Dr. Christos Pantazis (SPD) forderte ein Präventionsgesetz, um rechtzeitig gegensteuern zu können.
Vorhofflimmern und systemische Probleme
Prof. Boris Hoffmann vom Asklepios-Klinikum Harburg verwies auf Vorhofflimmern als Volkskrankheit: „Jeder Dritte wird irgendwann Vorhofflimmern bekommen.“ Risikofaktoren wie Alkohol begünstigen die Erkrankung. Im Abschlusspanel kritisierten Experten den deutschen „Reparaturbetrieb“. Dr. Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung monierte: „Wenn wir mit den Senioren mit der Lernfähigkeit anfangen, sind wir einfach ein paar Jahrzehnte zu spät.“ Dr. Jana Boer vom Bundesverband niedergelassener Kardiologen beklagte, dass viele Patienten die Verantwortung für ihre Gesundheit abgeben.
Persönliche Einblicke und Hoffnungsschimmer
TV-Moderator Johannes B. Kerner und Ex-Fußballprofi Gerald Asamoah teilten ihre Erfahrungen mit Herzerkrankungen. Asamoah, bei dem mit 19 Jahren die genetische Herzmuskelerkrankung HCM diagnostiziert wurde, gründete 2007 eine Stiftung für herzkranke Kinder. Prof. Monica Patten vom UKE Hamburg erklärte, dass HCM oft asymptomatisch verläuft, seit zwei Jahren aber mit dem Wirkstoff Mavacamten behandelt werden kann. Han Steutel vom Verband forschender Pharmaunternehmen sah in neuen Medikamenten wie Abnehmspritzen Chancen für die Prävention.
Der BILD-Herzgipfel 2026 machte deutlich: Nur durch kombiniertes Engagement in Prävention, Technologieeinsatz und politischer Unterstützung können die alarmierenden Zahlen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachhaltig gesenkt werden.



