Franz Müntefering: Vom Politiker zum Herzpatienten – Ein Leben im Kampfmodus
Franz Müntefering, der ehemalige SPD-Chef und Vizekanzler, blickt mit 86 Jahren auf ein bewegtes Leben zurück – nicht nur politisch, sondern auch gesundheitlich. Im Sommer 2023 unterzog sich der damals 83-Jährige in der Berliner Charité seiner fünften Herzoperation, bei der er eine neue Herzklappe erhielt. Diese Eingriffe retteten ihm das Leben, doch der Weg zur Genesung war lang. Anfang 2026 kehrte Müntefering anlässlich des dritten Herzgipfels ins Rehazentrum Seehof bei Teltow in Brandenburg zurück, wo er bereits zweimal, zuletzt 2023, als Patient die Herz-Reha absolvierte.
„Das Vertrauen in meinen Körper ist mir nie verloren gegangen“
Trotz der schweren Herzerkrankung betont Müntefering seinen unerschütterlichen Kampfgeist. „Nein, es war immer Kampfbereitschaft“, sagt der 86-Jährige. Viele Jahre lebte er mit einem Herzschrittmacher, bevor 2023 die neue Herzklappe eingesetzt wurde. Seine Ärzte gaben ihm einen einfachen, aber wirkungsvollen Rat: „Wenn du morgens aufstehen kannst, dann steh auf. Leg dich nicht da hin und warte ab, dass etwas Schlimmes passiert.“ Dieser pragmatische Ansatz half ihm, nie die Hoffnung zu verlieren.
In der Reha war Müntefering nicht der ehemalige Politiker, sondern einer von vielen Herzpatienten, die nach einer Erkrankung oder Operation wieder fit für den Alltag gemacht werden. Er wurde zwar erkannt, doch seine Antwort auf die Frage, warum er hier sei, war schlicht: „Weil die Ärzte gesagt haben, dass das gut für mich ist.“ Aus den Gesprächen mit anderen Patienten nahm er viel mit, besonders ein Austausch mit einem Lkw-Fahrer beeindruckte ihn: „Der wollte nichts als sein Herz wieder in Ordnung bringen, damit er wieder sein großes Auto fahren kann.“
Die Motivation: Am Leben bleiben und aktiv sein
Münteferings Antrieb, am Reha-Programm teilzunehmen, ist ebenso direkt wie berührend: „Am Leben bleiben wollen“, erklärt er. Für ihn war es wichtig, sich Ziele zu setzen, selbst in schwierigen Zeiten. „Als ich krank war, hatte ich Politik im Kopf. Das hat mich auf die Beine gebracht.“ Heute praktiziert er Frühsport im Badezimmer, den er selbstironisch als „Gespattel“ bezeichnet, und führt Übungen wie Kniebeugen mit Nachdruck aus, um aktiv und gesund zu bleiben.
Über Älterwerden und Sterben: Eine philosophische Haltung
Der gebürtige Sauerländer, bekannt für seine klaren Worte, reflektiert auch über das Älterwerden und Sterben. Er erinnert sich an Sprüche aus seiner Heimat: „Übers Älterwerden musst du nicht reden, alt wirst du von allein. Übers Sterben musst du auch nicht reden, sterben tust du auch.“ Doch Müntefering sieht darin eine verpasste Chance. „Das verdrängt die Chance, die man hat, gut älter zu werden. Und auch gut zu sterben.“
Er betont, dass Sterben ein Teil des Lebens ist und gelingen kann. „Ich will nicht sterben. Aber ich weiß, dass das irgendwann kommt. Und wenn es kommt, dann kann man nichts mehr machen. Aber ich werde das Leben, das ich noch habe, ausleben.“ Die moderne Medizin hat ihm zusätzliche Zeit geschenkt: „Ohne Medizin wäre ich längst weg. Das sind tolle Künstler, die Ärzte.“ Nach Untersuchungen in der Reha sagten Experten zu ihm: „Also neun Jahre hast du auf jeden Fall.“ Müntefering lacht: „Gut, dann bin ich 95, da wollen wir mal weiterschauen, ob wir noch bis 100 machen oder so.“
Beim dritten Herz-Gipfel von BILD am 17. März diskutierten über 100 Top-Experten auch über die seelischen Belastungen von Herzerkrankungen – ein Thema, das Münteferings Erfahrungen unterstreicht. Seine Botschaft bleibt klar: Mit Kampfgeist, medizinischer Hilfe und einer positiven Einstellung kann man selbst in hohem Alter noch Lebensqualität finden.



