Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Evakuierung auf Teneriffa gestartet
Hantavirus: Evakuierung auf Teneriffa gestartet

Die Evakuierung der Menschen an Bord des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ ist auf Teneriffa unter strengen Sicherheitsvorkehrungen angelaufen. Erste Passagiere und Crewmitglieder wurden bereits wenige Stunden nach der Einfahrt in den Hafen Granadilla in kleineren Gruppen an Land gebracht und zum Flughafen Tenerife Sur gefahren, von wo aus sie ausgeflogen wurden.

Erste Evakuierung von Spaniern

Zunächst wurden die 14 spanischen Staatsbürger an Bord ausgeschifft, darunter 13 Passagiere und ein Crewmitglied. Sie trugen Schutzkleidung und Masken und wurden mit Bussen der Militärischen Nothilfeeinheit UME zum Flughafen gebracht. Von dort startete ihre Maschine nach Madrid, wo sie in einem Militärkrankenhaus gemeinsam mit einem WHO-Experten unter Quarantäne gestellt werden sollen. Vor der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung durchzuführen. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien ohne Krankheitssymptome, teilte Gesundheitsministerin Mónica García mit. Auf dem Schiff befanden sich insgesamt 140 bis 150 Personen aus 23 Ländern.

Deutsche Passagiere werden über Eindhoven transportiert

Den Transport der betroffenen Deutschen übernehmen die Niederlande. Vier deutsche Passagiere sollen nach ihrer Ankunft am Flughafen Eindhoven nach Frankfurt gebracht werden. Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und Frankfurt wurden angefordert. Sie sollen die Passagiere am Militärflughafen in Eindhoven abholen und in einem Sonderisoliertransport nach Frankfurt bringen. Die Deutschen, Franzosen, Briten, US-Amerikaner und andere Nationalitäten kommen nach den Spaniern an die Reihe. Die Niederlande nehmen in ihrer Maschine auch Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mit.

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Ablauf der Evakuierung

Die meisten Passagiere und Crewmitglieder sollten noch am Sonntag vor Einbruch der Dunkelheit evakuiert werden. Dabei kamen Flugzeuge aus Spanien, den Niederlanden, den USA, Großbritannien, Frankreich, der Türkei, Irlands und im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus auch eine Maschine aus Norwegen zum Einsatz. Der letzte Flug mit sechs Personen ist für Montag nach Australien geplant. Auf Bildern war zu sehen, wie die betroffenen Spanier in weißen Schutzanzügen auf dem Flughafen von Einsatzkräften mit Masken und orangefarbenen Vollschutzanzügen mit Desinfektionsmittel besprüht wurden. Alle Passagiere und Crewmitglieder dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen.

Hintergrund des Ausbruchs

Die „Hondius“ war am frühen Vormittag in den Hafen von Granadilla eingefahren. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums befindet sich eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger an Bord. Der Schiffsbetreiber Oceanwide spricht von insgesamt sechs Deutschen. Laut WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.

WHO-Chef beruhigt

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft an die Bevölkerung Teneriffas sagte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering, zumal auf dem Schiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei. Zunächst hatte das Schiff aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen ankern sollen, doch die spanische Handelsmarine erteilte die Genehmigung zur Einfahrt. Nun liegt die „Hondius“ im Hafen, bevor sie mit einem Teil der Besatzung in die Niederlande weiterfährt.

Weitere Schritte

Nach der Evakuierung müssen alle Ausgeflogenen in ihren Heimatländern in Quarantäne, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist. Sobald die Menschen von Bord sind, soll die „Hondius“ ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam der an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.

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Internationale Besorgnis

Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Hantavirus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus, insbesondere wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC betont jedoch, dass das Virus nicht leicht übertragbar sei und ein großflächiger Ausbruch unwahrscheinlich sei. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU sei sehr gering. Da bei Zwischenstopps des Schiffes mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht. Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen an Land zu lassen, weil die Kanaren eine erstklassige Gesundheitsversorgung bieten. Kap Verde, wo die „Hondius“ zuletzt vor Anker gelegen hatte, hatte die Aufnahme mit Verweis auf unzureichende Versorgungsmöglichkeiten abgelehnt.