Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Bevölkerung in Deutschland im Zusammenhang mit dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ beruhigt. „Die Lage ist für die deutsche Bevölkerung nicht gefährlich“, sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“. Eine Pandemie drohe nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreiche. Zwar werde es immer wieder Einzelfälle geben, so der Vorsitzende des Forschungsausschusses im Bundestag, doch eine schnelle Ausbreitung sei nicht zu befürchten.
Hintergrund des Ausbruchs
Die „Hondius“ war am frühen Vormittag im Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa eingelaufen. Ihre Reise durch den Südatlantik hatte sie am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein niederländischer Passagier. Seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions starb die Deutsche Anfang Mai.
Infektionskette und Maßnahmen
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien an Land angesteckt haben könnte. Im Hafen von Teneriffa haben sich nun Ärzte an Bord der „Hondius“ begeben. Das medizinische Personal führt die epidemiologische Untersuchung durch, wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte. Erst nachdem alle an Bord auf akute Krankheitssymptome untersucht wurden, sollen die Passagiere und zahlreiche Crewmitglieder nach und nach ausgeschifft und auf dem Luftweg in ihre Heimatländer gebracht werden. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien weiterhin ohne Krankheitssymptome, sagte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García.
Evakuierungsplan
Zunächst werden die 14 Spanier an Bord ausgeschifft und nach Madrid gebracht. „Der nächste Staat, der die Evakuierung übernehmen wird, sind die Niederlande. Sie werden ebenfalls Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen“, so die Gesundheitsministerin. Auf dem Kreuzfahrtschiff befinden sich Reisende und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Luxusliner sorgt für Verunsicherung. Infektiologin Clara Schlaich gibt Tipps, was Passagiere selbst zur Sicherheit an Bord beitragen können.



