Meningitis-Welle in England: Aktuelle Lage und Auswirkungen
In der Grafschaft Kent im Südosten Englands kämpfen die Gesundheitsbehörden aktuell gegen einen besorgniserregenden Ausbruch der bakteriellen Meningitis. Laut der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA handelt es sich um den besonders gefährlichen Typ Meningokokken B (MenB), der sich innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich entwickeln kann. Bereits zwei junge Erwachsene im Alter von 18 und 21 Jahren sind verstorben, mindestens elf weitere Personen liegen schwer erkrankt in Krankenhäusern, eine Person befindet sich im Koma.
Ausbreitung und Übertragungswege
Die Fälle wurden aus den Orten Ashford und Whitstable gemeldet, wobei die Ermittlungen sich auf den Nachtclub „Chemistry“ in Canterbury konzentrieren, wo die Infektionswelle möglicherweise ihren Ursprung nahm. Die Behörden riefen vorsorglich etwa 2000 Partygäste, die am zweiten März-Wochenende in dem Club feierten, zur Einnahme von Antibiotika auf. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion über Speichel und Nasensekret, weshalb Orte mit engem Menschenkontakt wie Clubs, Schulen oder öffentliche Verkehrsmittel besonders betroffen sind.
Auf dem Campus der University of Kent spielten sich außergewöhnliche Szenen ab: Hunderte Studierende standen in langen Schlangen, um präventiv Antibiotika zu erhalten. Viele hielten dabei wieder Abstand – eine Erinnerung an die Maßnahmen während der Corona-Pandemie. Die Behörden befürchten eine weitere Ausbreitung über die Region hinaus, insbesondere da zum britischen Muttertag am 15. März viele junge Menschen ihre Familien besuchten.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die Meningitis, auch Gehirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der schützenden Häute um Gehirn und Rückenmark. Das wichtigste Anzeichen ist eine Nackensteifigkeit (Meningismus). Weitere Symptome umfassen:
- Starke Kopfschmerzen
- Schüttelfrost und hohes Fieber
- Erbrechen und Benommenheit
- Schwindel und Abgeschlagenheit
- Bewusstseins- oder Orientierungsstörungen bis hin zum Koma
Bei Kindern treten häufig auch Bauchschmerzen auf. In etwa zwei Dritteln der Fälle äußert sich die Erkrankung als Hirnhautentzündung, in einem Drittel als Sepsis (Blutvergiftung), bei der die Bakterien über das Blut im ganzen Körper verteilt werden und lebensbedrohliche Komplikationen wie Kreislaufschock drohen können.
Impfungssituation in Deutschland
Für Deutschland stellt sich die Frage, welche Impfungen gegen Meningokokken verfügbar sind. Das Robert Koch-Institut (RKI) unterscheidet zwölf verschiedene Meningokokken-Typen, wobei bei jungen Menschen unter 25 Jahren überwiegend Serogruppe B auftritt. Seit 2006 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Meningokokken C für alle Kinder ab zwölf Monaten, mit einer Impfquote von fast 90 Prozent.
Für Meningokokken B existieren in Deutschland zwei Impfstoffe: Bexsero® und Trumenba®. Diese werden jedoch nicht standardmäßig für alle Kinder empfohlen, da die STIKO die Krankheitslast als zu niedrig und die Datenlage als unzureichend bewertet. Stattdessen erfolgt die Impfung nur für bestimmte Risikogruppen. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten über ein Erstattungsverfahren.
Die Impfstoffe wirken, indem sie an bestimmten Eiweißen auf der Bakterienoberfläche ansetzen, die bei vielen, aber nicht allen MenB-Varianten vorkommen. Bexsero® soll etwa 82 Prozent der in Deutschland zirkulierenden MenB-Stämme abdecken, während bei Trumenba® von einer breiten Abdeckung ausgegangen wird.
Behandlung und Prävention
Bei einer bereits erfolgten Infektion ist eine schnelle Behandlung mit Antibiotika entscheidend, um schwere Folgeschäden oder tödliche Verläufe zu verhindern. Personen, die Kontakt mit Erkrankten hatten, müssen vorsorglich Antibiotika einnehmen, um die Verbreitung zu stoppen. Die Inkubationszeit beträgt etwa zwei bis zehn Tage.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass Impfprogramme wirksam sind: In Großbritannien werden Säuglinge standardmäßig gegen MenB immunisiert, was zu einem Rückgang der Fallzahlen beigetragen hat. Ähnliche Trends zeigen Daten aus Kanada. In einer vernetzten Welt können sich Infektionswellen jedoch schnell über Landesgrenzen hinweg ausbreiten, insbesondere in Hochreisezeiten.
Der aktuelle Ausbruch in England unterstreicht die Bedeutung von Aufklärung über Symptome, Übertragungswege und verfügbare Schutzmaßnahmen. Für Reisende und besonders gefährdete Gruppen ist eine individuelle Beratung durch Ärzte ratsam.



