Grippewelle trifft Kleinkinder besonders hart: Kinderarzt warnt vor lebensbedrohlichen Komplikationen
Grippewelle: Kinderarzt warnt vor Gefahren für Kleinkinder

Influenza-Saison belastet besonders die Jüngsten: Experte gibt lebenswichtige Ratschläge für Eltern

Die Grippewelle hat Deutschland weiterhin fest im Griff und trifft nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts besonders Kinder im Alter bis zu vier Jahren mit voller Härte. Dr. Christian Niesytto, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Ameos Hanse Klinikum Anklam, warnt im Gespräch mit dem Nordkurier vor potenziell lebensbedrohlichen Verläufen bei den Kleinsten.

Höhepunkt überschritten, Gefahr bleibt bestehen

Zwar hat die Grippewelle bundesweit ihren Höhepunkt bereits überschritten und flacht derzeit langsam ab, doch die Influenza-Saison kann nach Experteneinschätzung noch bis in den April oder sogar Mai andauern. Besonders besorgniserregend ist die aktuelle Entwicklung bei Kleinkindern, die überproportional häufig mit schweren Symptomen kämpfen.

Warnsignale, die Eltern ernst nehmen müssen

Dr. Niesytto betont die Dringlichkeit rechtzeitiger medizinischer Hilfe: „Wenn Sie merken, das Kind trinkt nicht gut, wenn die Temperatur zu hoch geht, dass so ein kleiner Körper eigentlich nicht mehr hinterherkommt, dann sollten Sie zum Arzt gehen.“ Viele Eltern würden erst in der Notaufnahme aufschlagen, wenn ihre Kinder bereits hohes Fieber entwickeln und sie selbst nicht mehr in der Lage seien, die Temperatur ausreichend zu senken.

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Gefährliche Komplikationen bei Kleinkindern

Der Kinderarzt erklärt die besonderen Risiken für junge Patienten: „Zum Beispiel gibt es Kinder, bei denen die Körpertemperatur so heiß ist, dass sie einen Fieberkrampf kriegen. Das kriegt man nur bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr, wenn man ein junges Gehirn hat.“ Zudem wirke sich ein Flüssigkeitsmangel bei kleinen Körpern wesentlich gravierender aus als bei Erwachsenen.

„Wenn das richtig und schnell behandelt wird, ist das nicht gefährlich. Wenn das falsch behandelt wird, kann es gefährlich sein, weil das kleine Kinder sind, mit einem nicht voll ausgebildeten Immunsystem“, warnt Niesytto.

Flüssigkeitszufuhr als entscheidender Faktor

Der Experte betont die überragende Bedeutung ausreichender Flüssigkeitszufuhr: „Trinken, trinken, trinken anbieten. Manche Eltern müssen mehr als anbieten, die müssen so ein bisschen forcieren, weil das Kind dann das ablehnt.“ Bei hohem Fieber verliere der Körper durch Schwitzen erhebliche Flüssigkeitsmengen, die dringend ersetzt werden müssten.

Impfempfehlungen für verschiedene Patientengruppen

Zur Frage der Grippeimpfung bei Kindern nimmt Dr. Niesytto differenziert Stellung: „Wenn ich also ein Kind hätte, was chronisches Asthma hat, ganz doll, dann würde ich das Kind gegen Grippe impfen lassen. Das kann man schon nach dem Säuglingsalter machen.“ Für Kinder mit schweren Vorerkrankungen sei die Impfung eindeutig zu empfehlen.

Für gesunde Kinder ohne besondere Risikofaktoren rät der Experte Eltern, gemeinsam mit ihrem Kinderarzt individuell abzuwägen, ob mögliche Folgen einer Impfung im Verhältnis zum erwarteten Nutzen stehen. Alternativ könne für Risikokinder auch die Gabe von Grippemedikamenten in Betracht gezogen werden.

ARE-Konsultationsinzidenz als wichtiger Indikator

Das Robert Koch-Institut erhebt regelmäßig die sogenannte ARE-Konsultationsinzidenz (ARE = Akute Respiratorische Erkrankung). Dieser Messwert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner wöchentlich aufgrund akuter Atemwegserkrankungen – darunter auch Influenza – einen Arzt aufsuchen. Die aktuellen Daten bestätigen die besondere Betroffenheit der jüngsten Altersgruppe.

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