Grippewelle in Deutschland: Kleinkinder besonders betroffen
Die aktuelle Grippewelle hat Deutschland weiterhin fest im Griff und trifft dabei besonders die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Laut einer aktuellen Übersicht des Robert Koch-Instituts sind Kinder bis vier Jahren am härtesten von der Influenza betroffen. Dr. Christian Niesytto, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin am Ameos Hanse Klinikum Anklam, warnt vor den besonderen Gefahren für die Kleinsten.
Wann wird eine Grippeinfektion für Kinder bedrohlich?
Dr. Niesytto erklärt im Gespräch mit dem Nordkurier, dass Eltern besonders aufmerksam sein sollten, wenn ihre Kinder hohes Fieber entwickeln und Schwierigkeiten haben, dieses zu senken. "Wenn Sie merken, das Kind trinkt nicht gut, wenn die Temperatur zu hoch geht, dass so ein kleiner Körper eigentlich nicht mehr hinterherkommt, dann sollten Sie zum Arzt gehen", betont der erfahrene Kinderarzt.
Die besondere Gefahr für kleine Kinder liegt in ihrer physiologischen Entwicklung begründet. "Zum Beispiel gibt es Kinder, bei denen die Körpertemperatur so heiß ist, dass sie einen Fieberkrampf kriegen. Das kriegt man nur, bis zum sechsten Lebensjahr, fünften Lebensjahr, wenn man ein junges Gehirn hat", erläutert Niesytto. Zudem wirke sich ein Flüssigkeitsmangel bei kleinen Körpern wesentlich stärker aus als bei Erwachsenen.
Flüssigkeitszufuhr als entscheidender Faktor
Der Kinderarzt betont die überragende Bedeutung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr bei grippekranken Kindern. "Trinken, trinken, trinken anbieten", lautet seine klare Empfehlung. Manche Eltern müssten dabei sogar etwas nachhelfen, da kranke Kinder oft das Trinken ablehnten.
Niesytto erklärt den physiologischen Hintergrund: "Wenn ich hohes Fieber habe, dann schwitze ich viel und verliere viel Flüssigkeit über das Schwitzen". Bei ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel könne manchmal nur noch eine Infusion helfen, um den kleinen Körper zu stabilisieren.
Impfempfehlungen für Kinder
Zur Frage der Grippeimpfung bei Kindern hat Dr. Niesytto eine differenzierte Position. Für Kinder mit chronischen Erkrankungen wie schwerem Asthma empfiehlt er eine Impfung, die bereits nach dem Säuglingsalter möglich sei. Für gesunde Kinder ohne Vorerkrankungen sollten Eltern gemeinsam mit ihrem Kinderarzt individuell abwägen, ob sich mögliche Impffolgen im Verhältnis zum Nutzen rechtfertigen lassen.
Alternativ rät der Mediziner Eltern von Risikokindern, mit ihrem Kinderarzt zu prüfen, ob Grippemedikamente sinnvoll sein könnten. Die Grippewelle hat bundesweit zwar ihren Höhepunkt überschritten, kann aber nach Angaben von Experten noch bis April oder sogar Mai andauern.
Die ARE-Konsultationsinzidenz, ein vom Robert Koch-Institut erhobener Messwert für akute Atemwegserkrankungen einschließlich Influenza, zeigt weiterhin erhöhte Werte. Eltern sollten daher besonders auf Warnzeichen wie schlechte Trinkmenge, anhaltend hohes Fieber oder ungewöhnliche Müdigkeit achten und im Zweifelsfall frühzeitig ärztlichen Rat einholen.



