Norrie-Syndrom bei Elias (2): Familie aus Wittenberge kämpft gegen Blindheit und drohende Taubheit
Norrie-Syndrom: Elias (2) aus Wittenberge kämpft gegen Blindheit

Norrie-Syndrom: Elias' Kampf gegen eine seltene Genmutation

Der zweijährige Elias aus Wittenberge ist ein fröhlicher Junge, der quietschend durch die Wohnung läuft und seinen Schnuller durch die Gegend wirft. Doch hinter diesem munteren Wesen verbirgt sich ein schweres Schicksal: Elias leidet am Norrie-Syndrom, einer extrem seltenen Genmutation, die weltweit nur etwa 400 bis 500 Mal diagnostiziert wurde. Seine Eltern, Simone Griesheimer und Danny Knaak, kämpfen täglich darum, ihrem Sohn ein möglichst normales Leben zu ermöglichen.

Die Diagnose, die alles veränderte

Schon bei der U2-Untersuchung im Krankenhaus fiel auf, dass mit Elias' Augen etwas nicht stimmte. Die Ärzte entdeckten, dass dem Jungen die Linsen in den Augen fehlten. Was folgte, war eine Odyssee durch verschiedene Krankenhäuser, die zunächst mit einer falschen Diagnose in der Berliner Charité endete. „Ihr Sohn ist blind, wird es für immer bleiben, damit müssen Sie sich abfinden“, sagte damals ein Arzt zu Simone Griesheimer. Ein Gentest wurde ihr verweigert.

Erst in der Uniklinik Gießen fanden die verzweifelten Eltern kompetente Hilfe. Das Team dort führte umgehend alle notwendigen Untersuchungen durch, und der Verdacht des Oberarztes bestätigte sich: Elias hat das Norrie-Syndrom, eine über das X-Chromosom vererbte Genmutation, die fast ausschließlich Jungen betrifft. Bei Elias ist das Gen nicht nur defekt – es fehlt ihm vollständig.

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Die doppelte Bürde: Blindheit und drohende Taubheit

„Es riss mir den Boden unter den Füßen weg, als ich hörte, dass unser kleiner Sonnenschein auch noch im Laufe des Lebens taub werden würde“, erzählt Simone Griesheimer emotional. Während sie sich mit der Blindheit ihres Sohnes abgefunden hatte, war die Vorstellung, dass Elias beide wichtigsten Sinne verlieren könnte, unerträglich. Das Norrie-Syndrom führt bei den meisten Betroffenen im Teenageralter zu fortschreitender Schwerhörigkeit bis hin zur völligen Taubheit.

Doch damit nicht genug: Die Erkrankung kann weitere schwerwiegende Folgen haben. Elias leidet bereits unter epileptischen Anfällen. „Bevor er medikamentös eingestellt war, hatte er bis zu 20 Anfälle pro Tag“, berichtet die Mutter. Manchmal seien es nur Sekunden gewesen, in denen er bewusstlos war – als würde er kurz wegdösen. Seit der medikamentösen Behandlung bleiben die Krampfanfälle glücklicherweise aus.

Ein Alltag voller Herausforderungen

An ein normales Familienleben ist für die Eltern nicht zu denken. Elias besucht wie seine vierjährige Schwester, die selbst an einem Herzfehler und einer Sensorischen Integrationsstörung leidet, den Kindergarten der Lebenshilfe in Wittenberge. Dort erhält er eine intensive 1:1-Förderung durch eine spezielle Betreuerin. Sein Wochenplan ist vollgepackt mit Terminen:

  • Sehfrühförderung
  • Logopädie
  • Ergotherapie
  • Physiotherapie

„Ein Privatleben haben wir nicht, da wir beide Vollzeit arbeiten“, erklärt Simone Griesheimer. Seit Anfang dieses Jahres erhalten die Eltern etwas Entlastung durch den Betreuungsdienst Mandy Linow aus Perleberg, doch die Belastung bleibt enorm.

Der Kampf um medizinische Hilfe und finanzielle Unterstützung

Die Eltern müssen sich selbst über alle Therapiemöglichkeiten und gesetzlichen Ansprüche informieren. Von den Ärzten erhielten sie keine Hilfe bei der Beantragung eines Pflegegrades oder Schwerbehindertenausweises für ihren Sohn. Doch Simone Griesheimer gibt nicht auf. Sie geht bewusst an die Öffentlichkeit, um einen Arzt zu finden, der sich Patienten mit Norrie-Syndrom annimmt.

Auf der Facebook-Seite „Elias blind“ und dem Instagram-Account @elias.blinde.welt macht sie auf das Schicksal ihres Sohnes aufmerksam. Zudem hat sie auf „GoFundMe“ eine Spendenaktion gestartet. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: In London gibt es ein Forscherteam, das Interesse an der Krankheit zeigt. Die Spenden sollen es ermöglichen, Elias dort vorzustellen.

Die finanziellen Belastungen sind enorm. Viele Therapien werden von der Krankenkasse nicht übernommen, und die zahlreichen Arzttermine und Klinikaufenthalte zwingen die Eltern häufig, unbezahlten Urlaub zu nehmen – die Kinderkrankentage sind auf 15 pro Jahr und Elternteil begrenzt.

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Ein kleiner Sonnenschein trotz allem

„Er ist ein kleiner Sonnenschein“, betont Simone Griesheimer mit liebevollem Stolz. „Er ist geduldig und lässt beim Arzt alles mit sich machen, auch wenn er manchmal weint.“ Elias' Vater Danny Knaak hat sich inzwischen an die schwierige Situation gewöhnt. „Man muss das Beste daraus machen und ihm ein gutes Leben ermöglichen, soweit das möglich ist.“

Die Familie aus Wittenberge steht vor gewaltigen Herausforderungen, aber sie gibt nicht auf. Ihr Kampf gilt nicht nur ihrem eigenen Sohn, sondern allen Kindern, die vom Norrie-Syndrom betroffen sind – einer Krankheit, die so selten ist, dass sie in der medizinischen Forschung oft übersehen wird.