Krankenhauskrise spitzt sich zu: DKG fordert Zuzahlungserhöhung auf 15 Euro pro Tag
Krankenhäuser fordern höhere Zuzahlungen von Patienten

Krankenhäuser in der Finanzkrise: DKG fordert höhere Patientenzuzahlungen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert eine deutliche Erhöhung der Zuzahlungen für stationäre Patienten. Statt der bisherigen 10 Euro pro Tag sollen Krankenhauspatienten künftig 15 Euro berappen. Diese Forderung kommt in einer Zeit, in der sich die finanzielle Situation vieler Kliniken in Deutschland dramatisch verschärft hat.

DKG-Chef Gerald Gaß: "Erhöhung wäre vernünftig und vertretbar"

DKG-Vorsitzender Gerald Gaß (63) begründet die Forderung mit der seit 2004 unveränderten Zuzahlungshöhe. "Eine Erhöhung der Zuzahlung auf 15 Euro wäre vernünftig und vertretbar. Die Zuzahlung war 2004 mit 10 Euro pro Tag eingeführt worden, seither wurde sie nicht erhöht", erklärte Gaß in einem Interview. Er verwies dabei auf bestehende Schutzmechanismen für Patienten: "Zudem gibt es eine Härtefall-Regelung und eine Begrenzung: Man muss maximal für 28 Klinik-Tage im Jahr zahlen."

Die konkreten Auswirkungen für Patienten wären spürbar: Bei einem vierwöchigen Krankenhausaufenthalt müssten Patienten statt bisher 280 Euro künftig 420 Euro zuzahlen – ein Plus von 140 Euro. Ein zweiwöchiger Aufenthalt würde mit 210 Euro statt bisher 140 Euro zu Buche schlagen.

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Dramatische finanzielle Lage der Krankenhäuser

Hintergrund der Forderung ist die alarmierende finanzielle Situation vieler deutscher Krankenhäuser. "Die Lage ist ernst", warnt Gaß. "Aktuell schreiben 80 Prozent der Kliniken rote Zahlen. Ein Drittel der Häuser in Deutschland ist von Insolvenz bedroht: 16 Prozent sind stark insolvenzgefährdet, weitere 21 Prozent gefährdet."

Achim Brötel (62), Präsident des Deutschen Landkreistages, bestätigt die dramatische Situation: "Auch den kommunalen Krankenhäusern geht es richtig schlecht, weil wir als Träger einen Defizitausgleich in der momentan erforderlichen Höhe schlicht nicht mehr leisten können." Besonders betroffen seien Häuser mit kirchlichen und gemeinnützigen Trägern.

Milliardenschwere Unterstützung notwendig

Die finanzielle Belastung der Kommunen ist immens: "Nur die Landkreise allein haben von 2023 bis 2025 25 Milliarden Euro aufgebracht, um die Verluste ihrer Kliniken auszugleichen", rechnet Brötel vor. "Dabei steht uns das Wasser selbst bis zum Hals. Die Kommunalfinanzen sind bundesweit im freien Fall."

Gaß drängt zudem auf eine Verlängerung staatlicher Hilfen: "Im November soll die staatliche Ausgleichszahlung wegfallen, die der Bund den Krankenhäusern zur Stabilisierung der finanziellen Lage seit November 2025 gewährt. Es geht um vier Milliarden Euro. Wir appellieren an Bundesgesundheitsministerin Warken, diese Hilfe zu verlängern."

Forderungen nach strukturellen Reformen

Neben der Zuzahlungserhöhung und der Verlängerung staatlicher Hilfen fordern die Verantwortlichen grundlegende Änderungen an der Krankenhausreform. Brötel mahnt: "Wir brauchen eine fallzahlunabhängige Vorhaltevergütung. Alles andere führt nur zu einem unkontrollierten Kliniksterben, gerade im ländlichen Raum."

Die Diskussion um die Zukunft der Krankenhausfinanzierung gewinnt vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Zahlen an Dringlichkeit. Während die DKG mit der Zuzahlungserhöhung eine kurzfristige Entlastung der Kliniken erreichen will, zeigen die Forderungen nach strukturellen Reformen, dass langfristige Lösungen notwendig sind, um die flächendeckende Krankenhausversorgung in Deutschland zu sichern.

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