Ärzteverband fordert Schnaps-Verbot in Supermärkten
Marburger Bund will Alkohol nur noch in Shops

Der Marburger Bund, der Ärzteverband, fordert ein Verkaufsverbot für hochprozentigen Alkohol in Supermärkten, Tankstellen und Kiosken in Deutschland. Stattdessen sollen Spirituosen nur noch in lizenzierten, spezialisierten Verkaufsstellen, sogenannten Alkoholshops, erhältlich sein. Dies gab der Verband anlässlich seiner Hauptversammlung in Hannover bekannt.

Norwegisches Modell als Vorbild

Inspiriert wurde die Forderung unter anderem durch das norwegische Modell. In Norwegen gibt es in Supermärkten nur Getränke mit einem Alkoholgehalt von maximal 4,75 Volumenprozent. Stärkere alkoholische Getränke wie Wein oder Schnaps sind ausschließlich in staatlichen Vinmonopolet-Filialen erhältlich, die dem Gesundheitsministerium unterstehen. Diese Regelung hat nach Expertenansicht dazu beigetragen, den Alkoholkonsum in Norwegen deutlich zu senken.

Jugendschutz und Gesundheitsrisiken

Der Marburger Bund betont, dass Alkoholkonsum zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland zähle. Besonders Jugendliche müssten besser geschützt werden. Früh etablierte Konsummuster erhöhten nachweislich das Risiko für spätere Abhängigkeitserkrankungen sowie gesundheitliche und soziale Folgeschäden. Internationale Erfahrungen zeigten, dass höhere Altersgrenzen und strengere Verkaufsregulierungen den Alkoholkonsum signifikant senken können.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Begleitetes Trinken soll abgeschafft werden

Der Marburger Bund begrüßte zudem die Pläne des Bundesfamilienministeriums, das begleitete Trinken für Jugendliche abzuschaffen. Diese Ausnahmeregelung erlaubt es Teenagern ab 14 Jahren, Bier, Wein oder Sekt in Begleitung einer sorgeberechtigten Person zu kaufen oder zu trinken. Eine Abschaffung würde den Schutz von Jugendlichen weiter erhöhen.

Kritik an freier Verfügbarkeit von Alkohol

Dass Alkohol in Deutschland zu frei verfügbar ist, kritisieren Suchtmediziner schon lange. Pro Kopf trinken die über 15-Jährigen in Deutschland 10,6 Liter reinen Alkohol im Jahr, leicht über dem EU-Schnitt. 1,6 Millionen der 18- bis 64-Jährigen sind abhängig, 7,9 Millionen haben ein riskantes Trinkverhalten. Die volkswirtschaftlichen Schäden werden auf 57 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, wie der Gesundheitsökonom Tobias Effertz erhoben hat. Er betont, dass darin Schmerz und Leid der Betroffenen sowie Folgekosten von Kriminalität und für Kinder abhängiger Eltern nicht enthalten sind.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration