Adipositas-Experte warnt: Übergewicht öffnet Tür zu über 200 Krankheiten
Adipositas: Einstieg in über 200 Folgeerkrankungen

Adipositas-Forscher: „Übergewicht ist Einstieg in mehr als 200 Krankheiten“

Mit einer eindringlichen Grafik wird veranschaulicht, wie die Erkrankung den gesamten Körper systematisch schwächt. Millionen Menschen in Deutschland sind bereits von Adipositas betroffen, wie aktuelle Zahlen belegen.

Alarmierende Zahlen aus Deutschland

Adipositas hat sich längst von einem simplen Gewichtsproblem zu einer ernstzunehmenden chronischen Erkrankung entwickelt. Sie belastet dauerhaft den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und zahlreiche Organe. Aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts offenbaren eine besorgniserregende Entwicklung: Fast ein Fünftel aller erwachsenen Deutschen leidet bereits an Adipositas!

Auch bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich ein dramatischer Trend. Bereits etwa 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind von krankhaftem Übergewicht betroffen. „Übergewicht ist eine tickende Zeitbombe für den Körper“, warnt Prof. Matthias Blüher (55), der die Adipositas-Ambulanz für Erwachsene am Uniklinikum Leipzig leitet. Sein ernüchterndes Fazit: „Sie ist der Einstieg in mehr als 200 verschiedene Folgeerkrankungen.“

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Was genau verbirgt sich hinter Adipositas?

Medizinische Experten sprechen in der Regel ab einem Body-Mass-Index von 30 von Adipositas. Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl auf der Waage. Besonders riskant gilt das Bauchfett, da es hormonell äußerst aktiv ist und Entzündungsprozesse im gesamten Körper antreiben kann.

Ein hartnäckiges Vorurteil hält sich weiterhin: Menschen mit starkem Übergewicht könnten einfach weniger essen. „Das stimmt nicht!“, widerspricht Prof. Blüher entschieden. „Adipositas ist eine Erkrankung, die durch gestörte Fettstoffwechselvorgänge mitverursacht wird. In solchen Fällen können sich Betroffene gegen ihren Appetit kaum noch wehren.“

Für etwa die Hälfte aller Adipositas-Fälle sind genetische Ursachen verantwortlich, meist Veränderungen in mehreren Erbanlagen. Bei deutlich weniger als einem Prozent sorgen Veränderungen in nur einem einzigen Gen, beispielsweise Leptin, für den unstillbaren Hunger.

„Betroffene suchen sich die Erkrankung nicht aus. Und gleichzeitig steigt mit jedem Kilo Übergewicht das Risiko für lebensgefährliche Folgen“, warnt Prof. Blüher nachdrücklich. Erwachsene mit starkem Übergewicht haben tatsächlich ein erhöhtes Risiko für mehr als 200 verschiedene Krankheiten.

Die gefährlichen Extra-Kilos und ihre Folgen

Die zusätzlichen Kilos stellen sowohl eine metabolische Belastung dar, die Entzündungen, Typ-2-Diabetes und Hormonstörungen begünstigt, als auch eine mechanische Belastung für Gelenke, Wirbelsäule und Atmung. Hinzu kommen häufig psychische und soziale Belastungen, die zu depressiven Symptomen und einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität führen.

„Etwa 10 Prozent der Adipositas-Patienten haben keine Folgeerkrankungen oder Leistungseinschränkungen“, ordnet Prof. Blüher ein. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss: „90 Prozent der Patienten haben mindestens eine Folgeerkrankung, wenn auch orthopädische und psychische Erkrankungen einbezogen werden.“

Adipositas als Krankheitsverstärker

Die Erkrankung kann sogar das Leben erheblich verkürzen. „Wenn Adipositas nicht behandelt wird, hat das negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung“, erklärt Prof. Blüher. Studien belegen, dass schwere Adipositas mit einem BMI von 40 oder mehr die Lebenserwartung um bis zu 10 Jahre reduzieren kann. Bei einem BMI zwischen 30 und 35 sinkt sie immer noch um 2 bis 4 Jahre.

Schwierige Versorgungssituation für Betroffene

Besonders problematisch für Erkrankte: „Viele Patienten haben Schwierigkeiten, einen geeigneten Arzt zu finden“, berichtet Prof. Blüher aus seiner praktischen Erfahrung. Zum einen werde die Krankheit sogar von Ärzten verharmlost, zum anderen könne die notwendige Beratung und Therapie nicht mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

„Theoretisch müsste ich jedem Patienten eine Rechnung schreiben“, so der Experte. Anlässlich des Weltadipositas-Tages appelliert der Top-Experte daher nachdrücklich: „Wir müssen die Versorgungssituation dringend verbessern. Wir brauchen strukturierte Programme, die aus Diagnostik, Ernährungs- und Bewegungstherapie sowie einer umfassenden Beratung zu Therapiemöglichkeiten bestehen.“

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