Adipositas als Risikofaktor: Studie enthüllt erhöhte Gefahr bei Infektionen
Menschen mit starkem Übergewicht, insbesondere Adipositas, sind einem drastisch erhöhten Risiko ausgesetzt, schwere oder sogar tödliche Infektionen zu erleiden. Dies geht aus einer umfangreichen Analyse hervor, die Gesundheitsdaten von mehr als 540.000 Personen aus Großbritannien und Finnland auswertete. Die Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal The Lancet, untersuchte über 900 verschiedene Infektionsarten, darunter Influenza und Harnwegsinfekte.
Detaillierte Ergebnisse: Risiko steigt mit dem Grad der Adipositas
Die Forschenden um Mika Kivimäki vom University College London und Solja Nyberg von der University of Helsinki fanden heraus, dass das Risiko für Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle aufgrund von Infektionen mit zunehmendem Übergewicht ansteigt. Während leichtes Übergewicht nur einen geringen Effekt zeigte, war das Risiko bei Menschen mit Adipositas vom Grad 3, definiert durch einen Body-Mass-Index (BMI) von 40 oder höher, etwa dreimal so hoch wie bei Normalgewichtigen. Bei Adipositas Grad 1 (BMI 30-34,9) lag das Risiko anderthalbfach höher, bei Grad 2 (BMI 35-39,9) doppelt so hoch.
Diese Ergebnisse blieben auch unter Berücksichtigung anderer Faktoren wie Geschlecht, Alter oder sozioökonomischem Status stabil. Die Studie basierte auf Daten aus finnischen Datenbanken und der britischen UK Biobank und wurde durch Beobachtungen während der Covid-19-Pandemie angeregt, die bereits auf ein höheres Risiko für übergewichtige Menschen hinwiesen.
Mögliche Ursachen und globale Auswirkungen
Die genauen Mechanismen, warum Adipositas Infektionen gefährlicher macht, sind noch nicht vollständig geklärt. Die Forschenden vermuten jedoch, dass Faktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen eine Rolle spielen könnten. Diese Bedingungen schaffen ein nährstoffreiches Milieu, das das Überleben von Mikroorganismen begünstigt.
Durch die Übertragung der Erkenntnisse auf die Global Burden of Disease-Studie konnten die Autoren das Risiko für schwere Infektionsverläufe in verschiedenen Weltregionen berechnen. Für Deutschland im Jahr 2023 zeigten sie, dass etwa 14,7 Prozent der Todesfälle nach Infektionen, das entspricht 4.700 von 31.900 Fällen, mit Adipositas in Verbindung standen.
Zukunftsprognosen und Handlungsbedarf
Die Studienautoren warnen vor einer Verschärfung der Situation in den kommenden Jahren. Solja Nyberg betont, dass mit steigenden Adipositasraten weltweit auch die Zahl der Todesfälle und Krankenhausaufenthalte aufgrund von Infektionskrankheiten zunehmen wird. Um dieses Risiko zu reduzieren, besteht ein dringender Bedarf an Maßnahmen, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben und Gewicht zu verlieren.
Diese Studie unterstreicht die Notwendigkeit, Adipositas nicht nur als ästhetisches Problem, sondern als ernsthafte Gesundheitsbedrohung zu betrachten, die das Infektionsrisiko signifikant erhöht.



