Forschungsergebnis enttäuscht Hoffnungen: Aspirin schützt nicht vor Darmkrebs
Viele Menschen nehmen täglich Aspirin ein, in der festen Überzeugung, sich damit wirksam vor Darmkrebs zu schützen. Doch eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung kommt nun zu einem ernüchternden Ergebnis: Diese präventive Maßnahme ist nicht nur wirkungslos, sondern kann sogar gefährliche Nebenwirkungen mit sich bringen.
Umfassende Analyse mit klarem Fazit
Ein chinesisches Forscherteam der Sichuan University wertete für eine im renommierten „Cochrane Database of Systematic Reviews“ veröffentlichte Studie die Daten von etwa 125.000 Probanden aus zehn verschiedenen klinischen Studien aus. Die Analyse ergab ein eindeutiges Bild: Personen, die über einen Zeitraum von fünf bis fünfzehn Jahren täglich Aspirin einnehmen, können sich damit vermutlich nicht vor Darmkrebs schützen. Selbst nach einer Einnahmedauer von mehr als fünfzehn Jahren bleibt ein möglicher Nutzen fraglich und wissenschaftlich nicht belegt.
Expertenmeinung bestätigt die Ergebnisse
„Obwohl die Vorstellung, dass Aspirin langfristig Darmkrebs vorbeugen könnte, faszinierend ist, zeigt unsere Analyse, dass dieser Nutzen nicht garantiert und mit unmittelbaren Risiken verbunden ist“, erklärt die federführende Studienautorin Zhaolun Cai von der Sichuan University in China. Die regelmäßige Einnahme des Wirkstoffs erhöht signifikant die Gefahr für gefährliche Blutungen im oder um das Gehirn sowie für Schlaganfälle. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Personen mit bestehenden Vorerkrankungen. Die unmittelbaren Gesundheitsrisiken überwiegen damit die unsicheren langfristigen Vorteile bei weitem.
Bewährte Präventionsmaßnahmen statt Medikamente
Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum betont, dass Darmkrebs klare Risikofaktoren aufweist, die jeder Mensch selbst positiv beeinflussen kann. „Darmkrebs hat Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, körperliche Inaktivität, Ernährung und Alkoholkonsum. Wenn man sich in diesen Lebensbereichen gesund verhält, kann man sehr viel dafür tun, sein Darmkrebsrisiko zu verringern“, so der Experte. Konkret bedeutet das: Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, bewegen Sie sich regelmäßig und verzichten Sie auf das Rauchen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Ballaststoffen sowie einem moderaten Alkoholkonsum senkt das persönliche Risiko zusätzlich.
Früherkennung bleibt entscheidend
Ab dem 50. Lebensjahr haben gesetzlich Versicherte in Deutschland Anspruch auf regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen. Zur Wahl stehen dabei eine Darmspiegelung, die alle zehn Jahre durchgeführt werden sollte, oder ein Stuhltest, der alle zwei Jahre empfohlen wird. Diese Vorsorgeuntersuchungen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Sterblichkeit durch Darmkrebs innerhalb der letzten zwanzig Jahre um beachtliche siebzehn Prozent zurückgegangen ist. Während im Jahr 2003 noch 28.900 Todesfälle zu verzeichnen waren, sank diese Zahl bis zum Jahr 2023 auf 24.100.
Fazit: Auf bewährte Methoden setzen
Die Studie macht deutlich, dass Aspirin kein geeignetes Mittel zur Darmkrebsprävention darstellt. Statt auf medikamentöse Vorbeugung mit unkalkulierbaren Risiken zu setzen, sollten sich Menschen auf bewährte Präventionsmaßnahmen konzentrieren: eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf schädliche Gewohnheiten wie Rauchen. Kombiniert mit den angebotenen Früherkennungsuntersuchungen bietet dies den besten Schutz vor der gefürchteten Krebserkrankung.



