Forschungsergebnisse: Wie überschüssiges Körperfett das Krebsrisiko signifikant erhöht
Wer deutlich zu viel wiegt, hat ein deutlich höheres Risiko für bestimmte Krebsarten. In den USA stehen Übergewicht und Adipositas mit rund 10 Prozent aller neuen Krebsdiagnosen pro Jahr in Zusammenhang. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Übersichtsarbeit, die im renommierten Fachblatt „JAMA“ veröffentlicht wurde.
Analyse großer Bevölkerungsstudien und Metaanalysen
Für die detaillierte Analyse wertete das Forschungsteam um Sherry Shen vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center und Onkologe Neil M. Iyengar von der Emory University große Bevölkerungsstudien und Metaanalysen aus. Zusätzlich berücksichtigten sie Labor- und Tierstudien, um mögliche biologische Mechanismen zu erklären. Übergewicht liegt laut Definition bei einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 29,9, Adipositas beginnt ab einem Wert von 30. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße und dient als wichtiger Indikator.
Zwölf Krebsarten mit Adipositas verbunden
Insgesamt gelten zwölf Krebsarten als mit Adipositas verbunden. Dazu zählen unter anderem Darmkrebs, Leberkrebs, Nierenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ebenso gehören Krebs der Speiseröhre, der Gebärmutter und der Eierstöcke, Gallenblasen- und Schilddrüsenkrebs, Magenkrebs, Brustkrebs nach den Wechseljahren sowie das Multiple Myelom zu dieser Gruppe. Der Zusammenhang zeigt sich besonders deutlich bei einem Anstieg des BMI um fünf Punkte. Bei einer 1,70 Meter großen Person entspricht das etwa 14 bis 15 Kilogramm mehr Körpergewicht.
Risikoerhöhung bei verschiedenen Krebsarten
Pro plus fünf BMI-Punkte nahm das Risiko für Gebärmutterkrebs um 59 Prozent zu. Für Speiseröhrenkrebs vom Typ Adenokarzinom lag die Zunahme bei gut 50 Prozent. Beim Nierenkrebs stieg das Risiko um bis zu 34 Prozent, beim Dickdarmkrebs um bis zu 24 Prozent – je nach Geschlecht unterschiedlich stark. Diese Zahlen verdeutlichen die erheblichen Auswirkungen von überschüssigem Körperfett auf die Gesundheit.
Biologische Prozesse im Körper
Die wissenschaftliche Arbeit beschreibt mehrere Prozesse, die die Entstehung von Krebs in Verbindung mit Übergewicht und Adipositas erklären könnten. Fettgewebe ist kein bloßer Energiespeicher, sondern hormonell aktiv. Es schüttet vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Eine dauerhafte, leichte Entzündung im Körper kann Zellen verändern und so Krebs begünstigen.
Zudem bildet Fettgewebe mehr Östrogene. Diese Hormone können bestimmte Krebsarten, etwa Brust- oder Gebärmutterkrebs, fördern. Gleichzeitig sinkt ein Hormon namens Adiponektin, das entzündungshemmend wirkt. Auch Abwehrzellen, die entartete Zellen normalerweise erkennen und zerstören, zeigen in Studien Hinweise auf eine verminderte Wirksamkeit. Veränderungen der Darmflora werden ebenfalls als möglicher Faktor diskutiert.
Die Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines gesunden Körpergewichts für die Krebsprävention. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können dazu beitragen, das Risiko zu verringern.



