Lungenkrebs-Screening für starke Raucher startet: Das müssen Sie wissen
Lungenkrebs wird oft erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, was zu einer schlechten Prognose für Betroffene führt. Ein neues Programm zur Früherkennung soll dies ändern und die Heilungschancen erhöhen. Ab dem 1. April 2025 können starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren einmal jährlich ein Lungenkrebs-Screening in Anspruch nehmen. Hier erfahren Sie, wie das Programm abläuft, wer teilnehmen kann und welche Hoffnungen und Risiken damit verbunden sind.
Zielgruppe und Teilnahmevoraussetzungen
Das Screening richtet sich an Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang stark geraucht haben oder noch rauchen. Rauchpausen dürfen dabei nicht länger als zehn Jahre gedauert haben. Zudem müssen Teilnehmende auf mindestens 15 Packungsjahre kommen. Ein Packungsjahr berechnet sich aus der Anzahl der Rauchjahre multipliziert mit der täglichen Anzahl an Packungen (à 20 Zigaretten). Beispielsweise erreicht jemand, der 30 Jahre lang durchschnittlich eine halbe Packung pro Tag geraucht hat, 15 Packungsjahre. Schätzungen zufolge könnten etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland für dieses Screening infrage kommen.
Ablauf des Screenings und Untersuchungsmethode
Im Gegensatz zu anderen Früherkennungsprogrammen werden Raucherinnen und Raucher nicht automatisch eingeladen. Stattdessen klären teilnehmende Ärztinnen und Ärzte, wie Internisten, Allgemeinmediziner oder Arbeitsmediziner, ob ein Anspruch besteht. Sie führen ein ausführliches Gespräch über Nutzen und Risiken und überweisen bei Berechtigung an eine Radiologie-Praxis. Dort erfolgt die Untersuchung mittels einer Niedrigdosis-Computertomografie (NDCT), einer Röntgenmethode mit geringer Strahlenbelastung. Bei unauffälligem Ergebnis wird der nächste Termin nach zwölf Monaten vereinbart.
Nutzen, Risiken und Kritik am Programm
Lungenkrebs wird in etwa drei Viertel aller Fälle erst spät diagnostiziert, was zu hohen Sterberaten führt. 2023 erkrankten über 58.000 Menschen in Deutschland, etwa 45.000 starben daran. Das Screening kann das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, verringern: Von 1000 Teilnehmenden werden etwa fünf bis sechs vor einem Tod bewahrt. Allerdings gibt es auch Nachteile wie Überdiagnosen, bei denen Krebs entdeckt wird, der nie symptomatisch geworden wäre – dies betrifft sieben von 1000 Personen. Zudem erhöht die Strahlenbelastung der NDCT leicht das Krebsrisiko.
Fachleute schätzen, dass weniger als drei von 1000 Raucherinnen und einer von 1000 Rauchern aufgrund der Untersuchung an Krebs erkranken, wenn alle 25 möglichen Termine wahrgenommen werden. Kritik kommt vom Deutschen Krebsforschungszentrum, das vorschlägt, ehemalige starke Raucher je nach Rauchstopp später zu screenen und auch Menschen, die seit über 15 Jahren nicht mehr rauchen, ab 67 Jahren einzubeziehen. Derzeit sind noch Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte nötig, bevor das Programm flächendeckend starten kann.
Finanzielle Aspekte und Ausblick
Der Gemeinsame Bundesausschuss, der das Screening auf Kassenkosten einführt, sieht Anhaltspunkte für die Wirtschaftlichkeit. Frühere Diagnosen könnten teure Immuntherapien in Spätstadien durch kleinere Operationen ersetzen, was dem Gesundheitssystem finanziell zugutekommt. Insgesamt bietet das Programm eine Chance, die Prognose bei Lungenkrebs zu verbessern, erfordert aber eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken.



