Nierengesundheit: Wie Sie Ihre Klärwerke des Körpers schützen und pflegen können
Schäumender Urin, anhaltende Müdigkeit oder unerklärlicher Juckreiz: Viele Menschen bemerken Probleme mit ihren Nieren erst spät, wenn die Organe bereits geschädigt sind. Dabei übernehmen die beiden bohnenförmigen Organe lebenswichtige Aufgaben im Körper. Wie man Nierenerkrankungen früher auf die Spur kommt, welche Risikofaktoren es gibt und was jeder selbst für gesunde Nieren tun kann, erklären Nephrologie-Experten aus Mainz und Darmstadt.
Die Multitalente im Körper: Was Nieren alles leisten
„Rund 1800 Liter Blut fließen jeden Tag durch die Nieren, etwa 1,5 Liter Urin produzieren sie dabei und entgiften so den Körper“, bringt es Prof. Julia Weinmann-Menke von der Universitätsmedizin Mainz auf den Punkt. Die Nephrologin betont, dass die meisten Menschen zwar wissen, dass Nieren den Wasser- und Säure-Basen-Haushalt regulieren, aber weniger bekannt ist ihre Rolle im Knochenstoffwechsel.
Die Nieren sind dafür verantwortlich, dass aus einer Vorstufe die aktive Form von Vitamin D entsteht, die der Körper für stabiles Knochengewebe benötigt. Zusätzlich regulieren sie den Blutdruck und produzieren Hormone für die Blutbildung. „Das Organ hat also ganz schön viele wichtige Aufgaben zu erledigen“, sagt Weinmann-Menke.
Tückische Häufigkeit: Jeder Zehnte betroffen
Etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland leidet an einer chronischen Nierenerkrankung, wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie mitteilt. Das Tückische daran: Längst nicht jeder weiß von seiner Erkrankung. „Viele Erkrankungen werden erst spät erkannt, denn chronische Nierenerkrankungen verlaufen anfangs meist symptomlos“, erklärt Prof. Bernd Krüger vom Klinikum Darmstadt.
Warnsignale erkennen: Auf diese Symptome achten
Einige Anzeichen können auf Nierenprobleme hindeuten, sind jedoch unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Bernd Krüger zählt die wichtigsten Warnsignale auf:
- Schäumender Urin (kann auf Proteine hindeuten)
- Geschwollene Beine
- Ständige Müdigkeit und Erschöpfung
- Luftnot und Atembeschwerden
- Bluthochdruck
- Häufiges Wasserlassen
- Unerklärlicher Juckreiz der Haut
Der Zustand der Nieren lässt sich durch Blut- und Urintests kontrollieren. Entscheidend sind dabei der Kreatinin-Blutwert beziehungsweise die daraus errechnete glomeruläre Filtrationsrate (GFR) sowie eine Urinuntersuchung auf Albumin (Eiweiß). „Nur die Relation beider Werte zeigt, wie gut die Nieren funktionieren“, betont Krüger.
Risikogruppen: Wer besonders aufpassen sollte
Ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen haben Menschen mit folgenden Vorerkrankungen oder Lebensumständen:
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schlaganfälle in der Vorgeschichte
- Übergewicht und Adipositas
- Familiäre Vorbelastung mit Nierenerkrankungen
- Höheres Lebensalter
- Rauchen
Ein oft unterschätztes Risiko sind Schmerzmittel: „Auch nicht steroidale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können bei übermäßigem Gebrauch den Nieren schaden. Man sollte eine längere Einnahme daher immer mit dem Arzt absprechen“, warnt Julia Weinmann-Menke.
Was tun bei auffälligen Werten? Keine Panik, aber handeln
Bei auffälligen Nierenwerten gilt zunächst: Ruhe bewahren. Werte wie GFR und Kreatinin können auch bei kurzfristigem Flüssigkeitsmangel, Infekten oder durch die Einnahme von Schmerzmitteln zeitweise erhöht sein. In Absprache mit dem Arzt können Wiederholungstests Klarheit bringen.
„Was man nicht tun sollte: Ganz nach dem Motto 'Wird schon wieder weggehen' das Problem ignorieren“, mahnt Weinmann-Menke. Früh erkannt, lässt sich ein Fortschreiten von chronischen Nierenerkrankungen mittlerweile oft gut aufhalten oder verlangsamen. „In den letzten zehn Jahren hat es unglaublich viel Fortschritt bei der Behandlung von Nierenkrankheiten gegeben“, so die Expertin.
Aktive Vorsorge: So halten Sie Ihre Nieren fit
Wer Diabetes hat, sollte darauf achten, dass der Blutzucker stabil eingestellt ist. Bei Bluthochdruck ist eine Behandlung wichtig, damit die Nieren durch die hohen Werte keinen Schaden nehmen.
Ansonsten empfiehlt Bernd Krüger: „Viel Bewegung – mindestens 150 Minuten pro Woche, wobei auch ein strammer Spaziergang dazuzählt, ausgewogene und nicht zu salzreiche Ernährung.“ Wer frisch kocht anstatt Fertigprodukte zu essen und mit frischen Kräutern würzt, macht schon viel richtig.
Ebenfalls entscheidend: ausreichend trinken. Die allgemeine Empfehlung lautet, nach Durstgefühl zu trinken. „Rund 1,5 Liter Flüssigkeitszufuhr sollten es ungefähr sein“, sagt Krüger. Menschen, die zu Nierensteinen neigen, profitieren davon, sogar noch etwas mehr zu trinken, da dies den Urin verdünnt und Ablagerungen erschwert. Bei anderen Nierenerkrankungen kann hingegen eine Begrenzung der Flüssigkeitszufuhr notwendig sein.
Alarmzeichen für Nierenversagen erkennen
Bei fortschreitender Erkrankung kommt es zu Ansammlungen von Flüssigkeit und Giftstoffen im Körper. Symptome dafür sind unter anderem:
- Luftnot und Atemnot
- Übelkeit und Erbrechen
- Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen
- Wassereinlagerungen im Gewebe
- Ausbleibende Urinproduktion
Solche Beschwerden sollten rasch medizinisch abgeklärt werden. Wenn die Nieren versagen, wird eine regelmäßige Dialyse („Blutwäsche“) notwendig. „Rund 100.000 Menschen sind in Deutschland auf eine Dialyse angewiesen“, so Krüger. In schweren Fällen kann eine Nierentransplantation der einzige Ausweg sein.
Vorsorge lohnt sich: Nierengesundheit schützt auch Herz und Gehirn
So weit muss es im besten Fall nicht kommen. Wer gut auf seine Nieren aufpasst, schützt nicht nur diese Organe, sondern auch Herz und Gehirn. „Einer der stärksten Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt sind chronische Nierenerkrankungen“, warnt der Nephrologe Bernd Krüger. Ein wichtiger Grund mehr, sich um die Nierengesundheit zu kümmern und Vorsorgeuntersuchungen ernst zu nehmen.
Die Experten betonen: Mit einem gesunden Lebensstil, regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und bewusstem Umgang mit Medikamenten kann jeder viel für seine Nierengesundheit tun. Die Klärwerke des Körpers verdienen unsere Aufmerksamkeit – bevor Probleme auftreten.



