Studie enthüllt: Witwer haben deutlich höheres Demenzrisiko als Witwen
Eine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung aus Japan kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Männer über 65 Jahre, die ihre Ehefrau verlieren, haben ein signifikant erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Die Studie, an der Forscher der Boston University School of Public Health und der Chiba University in Japan beteiligt waren, analysierte Daten von insgesamt 26.000 älteren Menschen aus den Jahren 2013 bis 2019.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind deutlich
Während bei Männern nach dem Verlust des Partners die Lebenszufriedenheit deutlich sank und Hoffnungslosigkeit sowie Alkoholkonsum zunahmen, zeigte sich bei Frauen ein ganz anderes Bild. Bei ihnen war das Demenzrisiko nicht erhöht, viele berichteten sogar von einer gesteigerten Lebenszufriedenheit im weiteren Verlauf. Die geistige Gesundheit von Witwern verschlechterte sich hingegen messbar – ihr Demenzrisiko lag deutlich höher als bei weiterhin verheirateten Männern.
Kritische Phase direkt nach dem Verlust
Besonders kritisch scheint die erste Zeit nach dem Verlust des Partners zu sein, vor allem die ersten Monate. In dieser Phase treten die negativen gesundheitlichen Auswirkungen bei Männern besonders deutlich zutage. Zwar ist eine Erholung möglich, dieser Prozess verläuft jedoch meist sehr langsam und bedarf besonderer Unterstützung.
Mögliche Gründe für die Unterschiede
Die Forscher sehen mehrere Faktoren, die die unterschiedlichen Reaktionen von Männern und Frauen erklären könnten. Frauen fanden in ihrer Trauer häufiger Halt in sozialen Kontakten und wurden durch den Tod ihres Partners oft von dessen Pflege entlastet. Männer hingegen fühlten sich trotz verschiedener Aktivitäten öfter isoliert und alleingelassen. Interessanterweise zeigte sich der Effekt bei Frauen, die ihre Ehemänner verloren, nicht in vergleichbarer Stärke.
Kulturelle Faktoren spielen eine Rolle
Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass kulturelle Faktoren eine mögliche Erklärung für die beobachteten Unterschiede bieten könnten. In Japan herrschen häufig noch traditionelle Geschlechterrollen vor, bei denen der Mann arbeitet und die Frau für emotionale Unterstützung und Pflege zuständig ist. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf andere Länder wie Deutschland übertragen. Wichtig ist zudem der Hinweis, dass die Studie lediglich Zusammenhänge aufzeigt – nicht jedoch kausale Beziehungen zwischen Verwitwung und Demenzrisiko beweist.
Die Untersuchung erfasste neben Trauer und Einsamkeit auch Alkoholkonsum sowie Informationen über Diagnosen wie Depression und Demenz. Von den Studienteilnehmern verloren insgesamt 1076 Personen während des Untersuchungszeitraums ihren Lebenspartner. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung geschlechterspezifischer Ansätze in der Gesundheitsvorsorge und Trauerbegleitung.



