Neurowissenschaftliche Studie enthüllt: ADHS-Gehirn zeigt häufiger schlafähnliche Aktivität
ADHS-Gehirn: Häufigere schlafähnliche Aktivität entdeckt

Neurowissenschaftliche Studie enthüllt: ADHS-Gehirn zeigt häufiger schlafähnliche Aktivität

Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kämpfen oft mit erheblichen Konzentrationsproblemen. Eine aktuelle Studie aus Australien liefert nun eine mögliche neurologische Erklärung für dieses Phänomen. Erwachsene mit ADHS zeigen während anspruchsvoller Aufgaben vermehrt langsame Hirnwellen, die denen im Schlaf ähneln. Diese Entdeckung könnte grundlegend zum Verständnis der Aufmerksamkeitsstörung beitragen.

Experimentelle Untersuchung mit 64 Elektroden

Das Forschungsteam um Neurowissenschaftlerin Elaine Pinggal von der Monash University in Melbourne führte eine kontrollierte Studie mit 63 erwachsenen Teilnehmern durch. Davon litten 32 Personen unter ADHS, während 31 Probanden als gesunde Kontrollgruppe dienten. Alle ADHS-Betroffenen hatten ihre Medikation mindestens 72 Stunden vor dem Experiment abgesetzt, um medikamentöse Einflüsse auszuschließen.

Für die Untersuchung nutzten die Wissenschaftler ein aufwendiges Messverfahren mit 64 Elektroden, die elektrische Schwankungen auf der Kopfhaut erfassten. Diese wellenförmigen Signale geben direkte Hinweise auf die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Während der gesamten Studie bearbeiteten alle Teilnehmer eine anspruchsvolle Aufgabe, die über längere Zeit hohe Konzentration erforderte.

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Geistige Zustände und Hirnaktivität im Vergleich

Neben der Messung von Reaktionszeiten und Fehlerquoten dokumentierten die Forscher regelmäßig den mentalen Zustand der Probanden. In regelmäßigen Abständen mussten die Teilnehmer Fragen zu ihrer aktuellen geistigen Verfassung beantworten:

  • Waren sie vollständig konzentriert?
  • Schweiften ihre Gedanken ab („mind-wandering“)?
  • Oder war der Kopf völlig leer („mind-blanking“)?

Die Auswertung der gesammelten Daten zeigte ein deutliches Muster: Erwachsene mit ADHS wiesen während der Konzentrationsaufgaben signifikant mehr langsame Hirnwellen auf, die normalerweise mit Schlafphasen assoziiert werden. Diese sogenannte „slow wave activity“ trat bei ihnen häufiger und intensiver auf als bei der Kontrollgruppe.

Schlafähnliche Momente als neurologischer Mechanismus

Studienleiterin Elaine Pinggal erklärt das Phänomen mit einer anschaulichen Analogie: „Man kann sich das vorstellen wie bei einem langen Lauf, bei dem man müde wird und eine Pause benötigt. Jeder Mensch erlebt diese kurzen Momente schlafähnlicher Aktivität. Bei Menschen mit ADHS kommen sie jedoch deutlich häufiger vor.“

Diese erhöhte schlafähnliche Aktivität könnte nach Einschätzung der Neurowissenschaftlerin ein zentraler neuronaler Mechanismus bei ADHS darstellen. Sie würde erklären, warum Betroffene Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten. Das Gehirn von Menschen mit ADHS scheint gewissermaßen öfter am Tag kurz „wegzupennen“, was zu den charakteristischen Konzentrationsproblemen führt.

Bedeutung für die ADHS-Forschung

Die Studie liefert wichtige neue Erkenntnisse für das Verständnis von ADHS bei Erwachsenen. Bisher konzentrierte sich die Forschung oft auf Verhaltensaspekte und neurochemische Prozesse. Die Entdeckung der veränderten Hirnwellenaktivität eröffnet nun neue Perspektiven für die neurologische Erforschung der Aufmerksamkeitsstörung.

Die Ergebnisse könnten langfristig auch therapeutische Implikationen haben. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden neurologischen Mechanismen könnte zu gezielteren Behandlungsansätzen führen, die spezifisch auf die Regulation der Hirnaktivität abzielen. Weitere Forschungen müssen nun zeigen, wie diese Erkenntnisse in konkrete Therapieoptionen umgesetzt werden können.

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