Die „Hondius“, ein Expeditionskreuzfahrtschiff, wird am Sonntagmorgen zwischen 4 und 6 Uhr Ortszeit (5 bis 7 Uhr MESZ) vor Teneriffa erwartet. Mehr als 140 Passagiere und Besatzungsmitglieder sitzen seit Tagen wegen eines Hantavirus-Ausbruchs auf dem Schiff fest. Drei Menschen sind tot, sechs weitere mutmaßlich infiziert. Die akribisch geplante Evakuierungsmission soll bei Tageslicht beginnen.
Evakuierungsplan im Detail
Die ersten Menschen, die das Schiff verlassen dürfen, sind nach Plänen der WHO die 14 Spanier. Sie sollen zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa Süd gebracht werden. Für die übrigen Passagiere gilt: Erst wenn ein Flugzeug am Flughafen startklar ist, dürfen sie das Schiff verlassen. Sie werden direkt auf das Rollfeld gefahren. Nur Handgepäck ist erlaubt; die Koffer werden desinfiziert.
Die Ausschiffung erfolgt in Gruppen nach Nationalität. Ein kleines Boot bringt die Passagiere an Land, von wo aus sie mit Bussen zu ihren Flugzeugen gelangen. Die Heimreise der deutschen und weiteren europäischen Passagiere ist laut spanischem Innenminister gesichert: Rückführungsflüge nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Irland und in die Niederlande sind bereits geplant.
Krisenstab überwacht den Einsatz
Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García und Innenminister Fernando Grande-Marlaska reisten gemeinsam mit WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Teneriffa. Sie koordinieren alle Abläufe im Hafen von Granadilla. Der Krisenstab stellt die Zusammenarbeit der Behörden, Gesundheitskontrollen und Notfallmaßnahmen sicher.
WHO-Chef Tedros versucht, die besorgte Bevölkerung zu beruhigen: „Ich weiß, dass Sie besorgt sind. Dies ist kein weiteres COVID. Das derzeitige Risiko für die öffentliche Gesundheit durch das Hantavirus ist nach wie vor gering.“
Ex-Covid-Krankenhaus wird Hanta-Klinik
Großbritannien plant, die britischen Betroffenen ins Arrowe Park Hospital nahe Liverpool zu bringen, das während der Corona-Pandemie als Quarantäneeinrichtung diente. Die 24 Briten und zwei Iren verbringen dort zunächst 72 Stunden, danach wird über weitere Isolierung entschieden.
Schiff wird in den Niederlanden desinfiziert
Nach der Ausschiffung fährt die „Hondius“ mit einer Restbesatzung in die Niederlande, wo sie desinfiziert wird. Der Leichnam einer Deutschen, die an Bord starb, bleibt an Bord und wird nicht auf Teneriffa an Land gebracht.
Die Planungen für Ankunft, Untersuchungen und Quarantäne werden von WHO, EU sowie niederländischen und spanischen Gesundheitsbehörden verantwortet.
Infektionsort noch unklar
Argentinische Behörden schließen Feuerland als Infektionsort nahezu aus. Die zeitlichen Abläufe sprechen dagegen: Infizierte zeigten bereits wenige Tage nach Abfahrt Symptome, obwohl die Inkubationszeit zwei bis drei Wochen beträgt. Zwei der Todesopfer, ein niederländisches Paar, waren zuvor monatelang durch Südamerika gereist. Wissenschaftler untersuchen nun lokale Nagerpopulationen in Ushuaia.
YouTuber unter Passagieren
Der türkische YouTuber Ruhi Çenet (35) war auf der „Hondius“, ging aber bereits am 24. April auf St. Helena von Bord. Er nahm am 3. Mai an einer Hochzeit in Istanbul teil, was online Kritik auslöste. Çenet erklärte, er habe nichts von der WHO-Untersuchung gewusst und habe sich vorsorglich in Isolation begeben.



