Was für ein Mist: Februar 2012, AIDA Diva, Kanaren-Tour. Ich weiß es noch genau. Vor unzähligen Kabinentüren standen Tabletts mit leeren Tellern. An den Klinken hing das Schild: „Bitte nicht stören“. Das klare Indiz: Die Kabinenbewohner standen unter Quarantäne.
Viele Urlauber waren damals am Norovirus erkrankt. Erbrechen, Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden. Dazu muss man wissen: Noroviren sind auf Kreuzfahrtschiffen aufgrund der engen Gemeinschaftsverhältnisse keine Seltenheit. Insbesondere in der Wintersaison von November bis März. Im Dezember 2025 wurde bekannt, dass auf AIDA Diva 101 Menschen am Norovirus erkrankten – 95 Urlauber und sechs Crewmitglieder.
Der Ablauf ist immer gleich
Wer ins Bordhospital geht, wird in Quarantäne auf die Kabine geschickt. Das war’s mit der schönen Urlaubswoche. Hinzu kommt: Das war’s auch mit der Urlaubskasse. Denn: Ein Besuch beim Schiffsarzt ist teurer, als viele denken. Deshalb sollte jeder Kreuzfahrer vor dem Urlaub wissen, was alles passieren kann.
Verletzt oder krank auf AIDA: Ich kenne das
Zuerst die harmlose Geschichte. Wir schreiben das Jahr 2022, kurz nach 22 Uhr. Aus den Bordlautsprechern ertönt die Durchsage: „Robin Halle wird gebeten, sich sofort an der Rezeption einzufinden.“ Ich wusste: Meinen Kindern musste irgendwas passiert sein.
Als ich kam, warteten bereits vier Mitarbeiter. „Ihr Sohn wird gerade im Hospital behandelt“, sagte einer, „kommen Sie bitte dazu.“ Eltern wissen: In diesem Moment schießen die schlimmsten Gedanken durch den Kopf.
Tatsächlich war seine Verletzung vergleichsweise harmlos. Im Theater lief kurz zuvor eine Varieté-Show, bei der eine Künstlerin an der Stange tanzte. Mein damals elfjähriger Junge wollte die Choreografie „nachtanzen“ – und knallte von der Stange auf den Boden. Das Knie war stark geschwollen und tiefblau. Mein Junge wurde geröntgt, bekam Infusionen, Salben, eine Schiene und Krücken.
528 Euro bezahlt, nur 76 Euro zurück
Alles gut – bis auf die Rechnung danach: 528 Euro! Die Krankenkasse erstatte später in Deutschland nur 76 Euro für die eigentliche Behandlung, nicht die Kosten für Schiene und Krücken. Meine Lehre daraus: Immer eine Auslandskrankenversicherung vor AIDA-Urlauben abschließen! Die Behandlung wird nach der AIDA Medical Center Preisliste abgerechnet, mit Erstkonsultationen zwischen ca. 90 und 116 Euro (nachts teurer).
Deutlich ernster wurde es im Jahr 2024, als ich mich mit letzter Kraft ins Bordhospital von AIDA Cosma schleppte. Ich war auf der Treppe vor einem Restaurant zusammengebrochen. Ich bekam kaum Luft. Die Diagnose lautete nach einem EKG: Herzrasen und Herzrhythmusstörungen. Mein Puls war jenseits von Gut und Böse. Ich bekam Infusionen und Betablocker. Medizinisch top, aber wie geht’s weiter?
AIDA befand sich an diesem Tag auf dem Atlantik. Tags darauf stand das Anlegen in Funchal auf Madeira (Portugal) an. Dann wieder ein Seetag, dann das Ende der Reise in Gran Canaria.
Einerseits wollten mich die Ärzte schnellstmöglich ins Krankenhaus verfrachten, um eine sogenannte Kardioversion durchzuführen. Dabei wird das Herz für kurze Zeit zum Stillstand gebracht. Ein elektrischer Impuls sorgt dafür, dass es wieder im gewohnten Sinusrhythmus schlägt. Andererseits wollten die Ärzte nicht, dass die komplexe Behandlung in Funchal durchgeführt wird. Dort würden die meisten Ärzte portugiesisch sprechen.
Wir verständigten uns schließlich darauf, zweimal täglich ein EKG zu schreiben. Ich durfte das Schiff nicht verlassen. Der Eingriff erfolgte sofort nach der Landung in Deutschland. Ebenso die Rechnung von AIDA: 2462 Euro! Übernommen diesmal von der Auslandskrankenversicherung.
Fazit: Medizinische Behandlungen auf AIDA sind erstklassig, aber sehr teuer.



