Neue Hoffnung für Allergiker: Innovative Medikamente und Therapien im Überblick
Neue Hoffnung für Allergiker: Medikamente und Therapien

Hoffnung für Allergiker: Innovative Medikamente und Therapien im Fokus

Kaum schmilzt der letzte Schnee und die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich, beginnen auch schon die Pollen von Birke, Erle und Haselnuss durch die Luft zu fliegen. Für Millionen Menschen in Deutschland bedeutet dies den Start der Heuschnupfensaison mit verstopften Nasen, tränenden Augen und Atembeschwerden. Doch nicht nur Pollenallergiker leiden: Tierhaarallergien, Hausstaubmilben und Neurodermitis machen vielen das ganze Jahr über zu schaffen.

Fast jeder Dritte betroffen: Allergien als Volkskrankheit

Rund 30 Prozent der Deutschen sind von Allergien betroffen – eine Zahl, die die Dimension dieser Volkskrankheit deutlich macht. Während einige Betroffene seit Jahrzehnten mit ihren Beschwerden leben und als austherapiert gelten, müssen sich andere erst mit den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten vertraut machen. Für alle gibt es nun neue Hoffnung, denn die medizinische Forschung hat in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte erzielt.

Prof. Dr. med. Johann Christian Virchow von der Klinik und Poliklinik für Pneumologie, Allergologie und Internistische Intensivmedizin der Universitätsmedizin Rostock erklärt die neuesten Entwicklungen. Die Rostocker Klinik gilt europaweit als Leuchtturm auf dem Gebiet der Allergien und Lungenheilkunde.

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Revolutionäre Wirkstoffe bei Asthma und Neurodermitis

„Bei mittelschwerem und schwerem allergischem sowie nicht allergischem Asthma sind insbesondere die Wirkstoffe Dupilumab und Tezepelumab zu nennen“, erläutert Prof. Virchow. Diese Pionier-Wirkstoffe werden heute häufig und erfolgreich eingesetzt.

Dupilumab (Handelsname Dupixent) greift den Interleukin-4-Rezeptor an, während Tezepelumab (Tezpire) den Botenstoff TSLP hemmt. Beide Wirkstoffe unterdrücken so Entzündungsmechanismen und werden alle zwei beziehungsweise vier Wochen subkutan injiziert.

Besonders bemerkenswert: Dupilumab hilft nicht nur bei Asthma, sondern auch bei mittelschwerer und schwerer Neurodermitis sowie gegen Nasenpolypen. „Viele Patienten wissen nicht, dass Neurodermitis, Asthma und Nasenpolypen häufig zusammenhängen“, so Prof. Virchow. „Deshalb helfen bei vielen auch keine Operationen, sondern die Polypen kommen immer wieder.“ Durch Dupilumab wird ihre Größe stark reduziert.

Bewährte und neue Ansätze in der Allergologie

Seit über 20 Jahren wird bei allergisch bedingtem schwerem Asthma erfolgreich Omalizumab (Xolair) eingesetzt. „Der Wirkstoff bindet sich gezielt an freies Immunglobulin E im Blut und verhindert so, dass IgE an Entzündungszellen andockt“, erklärt der Allergologe. Dadurch wird die Freisetzung von Histamin und anderen Botenstoffen unterdrückt, was zu weniger Asthmaanfällen und reduziertem Kortisonbedarf führt.

Ein weiterer Wirkstoff ist Mepolizumab, der Interleukin-5 blockiert – ein Schlüsselzytokin, das bei schwerem eosinophilem Asthma zu chronischen Entzündungen führt. Auch dieser Wirkstoff steht als Fertigspritze oder Pen zur Selbstinjektion zur Verfügung.

Vereinfachte Desensibilisierung und neue Antihistaminika

Die Immuntherapie oder Desensibilisierung hat sich deutlich weiterentwickelt. „Patienten müssen nicht mehr jahrelang wöchentlich in eine Arztpraxis“, betont Prof. Virchow. „Die Therapie kann heute mit Injektionen alle vier Wochen oder mit Tabletten durchgeführt werden.“ Ganz neu ist eine Kombination von Omalizumab mit Desensibilisierung, wodurch die Therapiedauer erheblich verkürzt werden kann.

Allerdings ist die Desensibilisierung nicht für Tierhaarallergiker geeignet. „Bei Allergien gegen Katzen, Hunde oder Pferde sind die Nebenwirkungen zu groß“, so der Experte. Sie eignet sich hingegen gut für Pollenallergiker und Menschen mit Hausstaubmilbenallergie.

Bei Antihistaminika gibt es ebenfalls Fortschritte: Mittel der neuen Generation wie Bilastin (Allegra) oder Desloratadin machen nicht mehr müde, da sie nicht ins Schlafzentrum des Gehirns eindringen. Sie lindern Heuschnupfen, Hausstaub- und Tierhaarallergien sowie Nesselsucht effektiv.

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Praktische Ratschläge und Warnungen

Bei Tierhaarallergien rät Prof. Virchow dringend zur Allergenvermeidung. „Auch bei leichten Symptomen sollte man sich keine Haustiere anschaffen oder vorhandene Tiere im Haushalt behalten“, warnt er. Falls doch, sollten Tierliebhaber auf Rassen wie Pudel, Labradoodle oder Portugiesische Wasserhunde zurückgreifen, die als weniger allergieauslösend gelten.

Tödliche Asthmaanfälle sind zwar selten geworden, aber „allergisches Asthma bleibt eine ernste Erkrankung“, betont der Mediziner. Besonders gefährdet seien junge Menschen, die ihre Symptome nicht erkennen und kein Notfallspray bei sich tragen. Rauchen verschlimmere die Situation zusätzlich.

Für Menschen mit lebensbedrohlichen Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergien gibt es ebenfalls gute Nachrichten: Adrenalin-Nasensprays stehen mittlerweile zur Verfügung und können in gefährlichen Situationen mit anaphylaktischem Schock angewendet werden.

Die Fortschritte in der Allergologie bieten Millionen Betroffenen neue Perspektiven – von verbesserten Medikamenten über vereinfachte Therapien bis hin zu praktischen Ratschlägen für den Alltag.